
بسم الله الرحمن الرحيم
يَا أَيُّهَا الْمُزَّمِّلُ (1) قُمِ اللَّيْلَ إِلَّا قَلِيلًا (2) نِصْفَهُ أَوِ انْقُصْ مِنْهُ قَلِيلًا (3) أَوْ زِدْ عَلَيْهِ وَرَتِّلِ الْقُرْآنَ تَرْتِيلًا
1. O du Eingehüllter (dem die schwere Bürde obliegt, als Gesandter zu den Menschen zu sprechen).
2. Erhebe dich, um Gebete während der Nacht zu verrichten, bis auf ein Weniges;
3. Die Hälfte davon, oder verringere sie ein wenig,
4. Oder füge etwas hinzu; und bete und trage den Koran langsam und deutlich vor (indem du Geist und Seele darauf ausrichtest).[1]
Unser Prophet (F.s.m.i) sagte:
مَثَلُ الْمُؤْمِنِ الَّذِي يَقْرَأُ الْقُرْاٰنَ مَثَلُ الْأُتْرُجَّةِ رِيحُهَا طَيِّبٌ وَطَعْمُهَا طَيِّبٌ
„Das Gleichnis des Gläubigen, der den Koran rezitiert, ist wie das der Zitruspflanze: Ihr Duft ist angenehm und ihr Geschmack ist gut.“[2]
Ehrenwerte Muslime,
Unsere heutige Predigt wird die Vorzüglichkeit des Lesens und des Verstehens des Korans behandeln. Der Koran ist für den Einzelnen und für die Gesellschaft Rechtleitung, wohlwollender Ratschlag und Heilung für die Herzen. Der Lauf der Zeit nutzt ihn nicht ab. Das Rezitieren des Korans ist eine der vorzüglichsten Formen der Gottesdienste. Der Koran bringt den Zustand derjenigen, die ihn bewahren, die ihn zu einer ständigen Praxis machen und nach ihm handeln, wie folgt zum Ausdruck:
الَّذِينَ يَتْلُونَ كِتَابَ اللَّهِ وَأَقَامُوا الصَّلَاةَ وَأَنفَقُوا مِمَّا رَزَقْنَاهُمْ سِرًّا وَعَلَانِيَةً يَرْجُونَ تِجَارَةً لَّن تَبُورَ
„Diejenigen, die Gottes Buch rezitieren (und dabei Gott rühmen, loben und preisen und sich zu Seiner absoluten Einheit bekennen) und das Gebet entsprechend seinen Vorschriften verrichten und von dem, womit Wir sie versorgt haben, (für die Sache Gottes und für die Bedürftigen) hingeben, insgeheim und öffentlich, die hoffen auf einen Handel, der niemals fehlschlagen wird. Denn Gott wird ihnen ihren Lohn zur Gänze ausbezahlen und ihnen sogar noch mehr geben aus Seiner Gnadenfülle. Er ist fürwahr der Vergebende, der (die Dankbarkeit Seiner Geschöpfe) zu würdigen weiß.“[3]
Der Gesandte Gottes (F.s.m.i), sagte: “[…] Das beste Wort ist das Buch Gottes […]“ „Die vorzüglichste Anbetung meiner Gemeinschaft ist das Lesen des Korans.“ „Wer den Koran liest, wird nicht in die unangenehmste und schlimmste Phase seines Lebens geführt.“[4]
Weiter sagte er (F.s.m.i):
„Es gibt drei Gruppen, die die Schrecken des Jüngsten Tages nicht ängstigen werden. Für sie gibt es keine schwere Abrechnung. Bis die Abrechnung der anderen beendet ist, befinden sie sich auf Hügeln aus Moschus. Einer von ihnen ist derjenige, der den Koran liest, um das Wohlgefallen Gottes zu erlangen.“[5]
An verschiedenen Zeiten und Orten sagte unser Prophet Muhammed (F.s.m.i) außerdem:
„So wie Eisen rostet, rosten auch diese Herzen.“ Die Gefährten fragten: „Was ist ihr Poliermittel, o Gesandter Gottes?“ Er antwortete: „Das Lesen des Korans und das Gedenken an den Tod.“[6]
In einem anderen Hadith sagte er (F.s.m.i): „Wer den edlen Koran kunstvoll liest, befindet sich auf der Stufe der ehrenhaften Schreibengel. Wer ihn jedoch nicht vollkommen beherrscht, ihn aber mit aufrichtiger Absicht liest, dabei stockt und sich beim Lesen schwer tut, erhält zwei Belohnungen.“[7]
Einst fragte ein Mann: „O Gesandter Gottes, welche Tat ist Gott am liebsten?“ Der Gesandte Gottes (F.s.m.i) antwortete: „Die Tat dessen, der eine Reise beendet und dann erneut aufbricht.“ Als er erneut fragte, was dies bedeute, antwortete er (F.s.m.i): „Den Koran vom Anfang bis zum Ende zu lesen und, sobald man ihn beendet hat, wieder von vorne zu beginnen.“
Des Weiteren sagte er (F.s.m.i): „In einem Haus, in dem der Koran gelesen wird, nimmt das Gute zu und es wird den Bewohnern nicht eng. In solchen Häusern versammeln sich die Engel und die Satane entfernen sich. Ein Haus, in dem der Koran nicht gelesen wird, wird den Bewohnern eng; sein Segen nimmt ab, die Engel entfernen sich und die Satane strömen herbei. Ein Haus, in dem der Koran gelesen und mit seinem Sinn und seiner Auslegung gepflegt wird, leuchtet für die Bewohner des Himmels, so wie die Sterne die Erde erleuchten.“[8]
Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass man sich bemühen soll, den Koran zu verstehen. Unser Prophet maß dem Nachdenken über den Koran, dem Bemühen um sein Verständnis und dem Erschließen seiner Bedeutungen durch Verstand und Reflexion mehr Bedeutung bei als bloßen Dhikr-Versammlungen.
Nach der Überlieferung von Abdullah b. ʿAmr betrat der Prophet Muhammed (F.s.m.i) eines Tages die Moschee und sah zwei Gruppen. Die eine Gruppe beschäftigte sich mit Gottesgedenken (Dhikr) und baten Gott um seine Gnadengaben. Die anderen beschäftigten sich mit Kontemplation (tefekkur) und tauschten sich über den Koran aus. Der Prophet sagte: „Beide Gruppen befinden sich auf dem Guten. Die eine nützt nur sich selbst. Diese hier jedoch lernen, was sie nicht wissen, und lehren einander, was sie gelernt haben. Ich wurde als Lehrer gesandt.“ Daraufhin setzte er sich zu denen, die sich über den Koran austauschten.
Es gibt verschiedene Stufen des Koranlesens.
- Das Lesen der Zunge,
- das laute Lesen, also die Rezitation,
- das Lesen vom Text.
الَّذِينَ آتَيْنَاهُمُ الْكِتَابَ يَتْلُونَهُ حَقَّ تِلَاوَتِهِ
“Diejenigen, denen Wir das Buch gegeben haben und die es lesen, wie es ihm gebührt.[9]
Damit wird auf diese erste Stufe hingewiesen. Das Lesen in wahrer Weise ist nur durch die Beachtung der Regeln des Tedjwīd möglich.
وَرَتِّلِ الْقُرْآنَ تَرْتِيلًا
„Und trage den Koran deutlich und wohlgeordnet vor.“[10]
Unser Prophet Muhammed (F.s.m.i) forderte seine Gefährten auf, die Buchstaben einzeln zu lesen, jeden Buchstaben korrekt auszusprechen. Ein aufrichtiger und schöner Rezitation verleiht der Seele, dem Herzen und den Empfindungen Leben, prägt sich dem Geist ein und entfaltet seine Wirkung.
Das Lesen des Verstandes, das Bemühen, seine Bedeutung zu erfassen.
Ohne Nachdenken und ohne den Versuch, den Sinn zu verstehen, lediglich die Worte auszusprechen, ist kein ausreichendes Lesen. Unser Prophet Muhammed (F.s.m.i) sagte:
„Einen einzigen Vers aus dem Buch Gottes zu verstehen, ist für dich besser als hundert Einheiten von freiwilligen Hauptgebeten.“
Das Lesen des Herzens, das Lesen der Intention. Ein Lesen, das das Herz erzittern lässt und Glauben sowie Vertrauen stärkt.
وَإِذَا تُلِيَتْ عَلَيْهِمْ آيَاتُهُ زَادَتْهُمْ إِيمَانًا وَعَلَى رَبِّهِمْ يَتَوَكَّلُونَ
„Wenn ihnen Seine Verse vorgetragen werden, stärkt dies ihren Glauben, und sie vertrauen allein auf ihren Herrn.“[11]
أَفَلَا يَتَدَبَّرُونَ الْقُرْآنَ
“Denken sie denn nicht über den Koran nach?”[12]
Hier wird uns befohlen, den Koran mit Nachdenken zu lesen, mit dem Bemühen, seine Bedeutung zu erfassen, mit Weitblick und Einsicht, indem man auch das Dahinterliegende erkennt.
Ehrte Gläubige,
jeder Einzelne sollte seinem eigenen Niveau entsprechend unbedingt eine Zeit für den edlen Koran sowie für Bittgebete und Gedenken einplanen, ohne Ausreden vorzubringen. Denn wenn ein Gläubiger den Koran nicht liest, können ihm unbekannte Lebensordnungen und Systeme den Weg verstellen. Während der Zeit, in der er vom Koran fernbleibt, kann er sich unbemerkt von Gott entfernen. Dieser Vers warnt uns vor einer solchen Gefahr:
وَمَنْ يَعْشُ عَنْ ذِكْرِ الرَّحْمَنِ نُقَيِّضْ لَهُ شَيْطَانًا فَهُوَ لَهُ قَرِينٌ ٣٦ وَإِنَّهُمْ لَيَصُدُّونَهُمْ عَنِ السَّبِيلِ وَيَحْسَبُونَ أَنَّهُمْ مُهْتَدُونَ
“Wer sich vom Gedenken des Allerbarmers abwendet, dem stellen Wir einen Satan zur Seite, der sein ständiger Begleiter wird. Diese halten sie vom rechten Weg ab, während sie meinen, rechtgeleitet zu sein.”[13] (Zuhruf 36–37)
Glücklich sind jene, die jeden Moment als Gelegenheit begreifen, den Koran zu lesen und zu verstehen. Glückselig sind jene, die das, was sie aus dem Koran verstanden haben, in ihr Leben übertragen können.
Möge unser Herr uns ermöglichen, die kommenden gesegneten Tage und Nächte mit dieser Absicht und diesem Streben zu nutzen! Amin!
[1] Sure Muzemmil 75:1-4
[2] Bukhārī, Feḍāʾil el Qurān 17,26
[3] Sure Fāṭir , 35:29-30
[4] Ḥakim, el Mustedrek, Band 2, S. 528
[5] Überliefert von Ṭaberānī, zitiert bei Mundhīr, et-Terġīb, 1/311
[6] Beyhāqī, über Ibn ʿUmer, Iḥyā, Bd. 1, S. 775
[7] Bukhārī, Tewḥīd, 52
[8] Dārimī, Sunen, 2\429-430
[9] Sure Baqara 2:121
[10] Sure Muzemmil 73:4
[11] Sure Enfāl 8:2
[12] Sure Muhammed 74:24
[13] Sure ez Zukhruf 43:36-37