Sparsamkeit und Genügsamkeit


بسم الله الرحمن الرحيم

                  وَالَّذ۪ينَ اِذَٓا اَنْفَقُوا لَمْ يُسْرِفُوا وَلَمْ يَقْتُرُوا وَكَانَ بَيْنَ ذٰلِكَ قَوَامًا

„Und die, wenn sie etwas hingeben [sowohl um ihrer eigenen Bedürfnisse willen als auch um die anderer willen], weder verschwenderisch noch geizig sind, und [sie wissen,] es gibt einen goldenen Mittelweg [zwischen beiden Übertreibungen]“[1]

In einer Überlieferung unseres Propheten (F. s. m. i) heißt es:

                       مَا عَالَ مَنِ اقْتَصَدَ، وَمَا خَابَ مَنِ اسْتَشَارَ

Wer sparsam ist, verarmt nicht; und wer Beratung einholt, scheitert nicht.“[2]

Ehrenwerte Musliminnen und Muslime! Unsere heutige Predigt handelt von der Sparsamkeit, also der Mitte zwischen der Verschwendung und dem Geiz.

Sparsamkeit ist, ebenso wie ein würdiges Leben, ein wichtiges Mittel dafür, dass die Gaben wachsen und Bestand haben. Verschwendung hingegen ist ein wesentlicher Grund dafür, dass die Fülle schwindet und man in Erniedrigung gerät. Sparsam zu leben, ist eine Tugend und bedeutet, sich die moralischen Eigenschaften Gottes anzueignen.

Genügsamkeit bedeutet, mit dem, was man hat, zufrieden zu sein, das Gegebene mit innerer Zustimmung anzunehmen, nicht begehrlich auf die Gaben anderer zu schauen und die Zufriedenheit mit dem eigenen Besitz als einen „unerschöpflichen Schatz“ zu betrachten.

Die menschlichen Bedürfnisse sind nicht unbegrenzt. Unbegrenzt sind vielmehr die Wünsche und Leidenschaften. Unser Prophet (F. s. m. i.) hat diese Wahrheit mit den Worten verdeutlicht: „Wenn der Mensch ein Tal voller Besitz hätte, würde er sich ein zweites wünschen.“[3]

Der Islam gebietet beim Stillen materieller Bedürfnisse wie Essen und Trinken, Kleidung, Fahrzeug und Haus sowie beim Nutzen jeder Art von Versorgung, die Gott gewährt hat, den mittleren Weg. Jede Form von Verschwendung, die aus Verschwendungssucht, Prunksucht oder Luxusstreben entsteht, ist verboten.

Der folgende Vers drückt diese Wahrheit aus: „Gib dem Verwandten, dem Bedürftigen und dem auf dem Weg Gestrandeten ihr Recht, doch verschwende nicht. Denn die Verschwender sind Brüder der Satane, und der Satan ist gegenüber seinem Herrn äußerst undankbar.“[4]

Der edle Koran verbietet Verschwendung und beschreibt sie als eine teuflische Eigenschaft. Verschwendung bemisst sich nicht an der Höhe der Ausgaben, sondern am Zweck, für den ausgegeben wird. In diesem Sinne bedeutet Verschwendung, an unrechtmäßigen oder unpassenden Stellen Geld auszugeben. Nach Ansicht der islamischen Gelehrten gilt ein Mensch nicht als verschwenderisch, selbst wenn er seinen gesamten Besitz auf dem Weg Gottes spendet. Gibt er jedoch auch nur ein paar Münzen für etwas Unerlaubtes aus, wird dies als „Verschwendung“ betrachtet. In diesem Zusammenhang sagt Ebū Hanīfe:

لاَ اِسْرَافَ فِى الْخَيْرِ كَمَا لاَ خَيْرَ فِى اْلاِسْرَافِ


„So wie es in guten und wohltätigen Taten keine Verschwendung gibt, gibt es in der Verschwendung keinerlei Gutes.“

Vor diesem Hintergrund sollten gläubige Menschen einerseits jede Form von Verschwendung meiden, andererseits jedoch niemals geizig sein; sie sollten Verschwendung vermeiden, aber gleichzeitig mit Freude auf dem Weg Gottes spenden und alle ihnen gewährten Gaben als Mittel nutzen, um das Wohlgefallen Gottes zu erlangen. Folgender Vers weist darauf hin:

وَابْتَغِ ف۪يمَٓا اٰتٰيكَ اللّٰهُ الدَّارَ الْاٰخِرَةَ وَلَا تَنْسَ نَص۪يبَكَ مِنَ الدُّنْيَا

„Strebe mit dem, was Gott dir gegeben hat, nach der Wohnstätte des Jenseits, vergiss aber auch deinen Anteil an der Welt nicht!“[5]

Wichtig ist, die Welt nicht körperlich, sondern im Herzen zu verlassen. In dieser Hinsicht kann ein Gläubiger wie ein weltlicher Mensch arbeiten und verdienen und sogar so reich werden wie Qārūn. Dabei ist darauf zu achten, dass er bereit ist, wenn es notwendig wird, alles, was er besitzt, für das Wohlgefallen Gottes zu spenden.

Zudem ist es, sofern es im erlaubten Rahmen bleibt, eine Gott wohlgefällige Handlung, wenn Seine Gnadengaben dankbar genutzt werden. So sagte der Prophet (F. s. m. i) in einem Hadith: „Esst, kleidet euch und spendet, solange es ohne Verschwendung und ohne Prahlerei geschieht. Gott liebt es, die Gabe, die Er dem Diener gewährt hat, an diesem zu sehen.“[6]

Bei der Verrichtung unserer gottesdienstlichen Handlungen sollten wir auch im Umgang mit Ressourcen jede Form von Verschwendung meiden. Eines Tages traf der Gesandte Gottes (F. s. m. i) auf einen Gefährten, der gerade die Gebetswaschung vollzog. Als der Prophet (F. s. m. i) sah, dass der Gefährte zu viel Wasser verbrauchte, fragte er: „Was ist das für eine Verschwendung? Der Gefährte entgegnete: „Gibt es denn bei der Gebetswaschung Verschwendung?“ Darauf antwortete der Prophet (F. s. m. i.): „Ja, sogar dann, wenn du an einem fließenden Fluss die Gebetswaschung vornimmst.“[7]

Der Begriff Verschwendung muss weit gefasst werden. Jede zweckwidrige Nutzung oder vergeudete Verwendung materieller oder immaterieller Gaben ist Verschwendung. Zeit, Gesundheit und jede Art von Fähigkeiten, die dem Menschen gegeben wurden, müssen wertgeschätzt und nicht sinnlos verbraucht werden; sie sollen im Einklang mit dem Zweck ihrer Schöpfung genutzt werden,  dies ist eine grundlegende Verpflichtung des Menschen.

In der heutigen Zeit ist es unvermeidlich, dass diejenigen, die das Prinzip der Sparsamkeit nicht in ihr Leben integrieren, in Erniedrigung und Elend geraten. Dinge, die gestern noch Luxus waren, gelten heute als notwendige Bedürfnisse. Die moderne Lebensweise hat das Leben vielfach beschwert und den Menschen nahezu daran gehindert, mit ehrlicher Arbeit und erlaubtem verdientem Geld aufrichtig zu leben. Dabei hat der Gesandte Gottes (F. s. m. i) mit dem Hadith „Wer sparsam lebt, gerät nicht in Armut und Not“ den Weg der Sparsamkeit als Geheimnis aufgezeigt, um mit erlaubtem Einkommen die eigene Familie würdig zu versorgen.[8]

Zusammenfassend: Sparsamkeit ist sowohl ein Ausdruck des Respekts vor den Gaben als auch ein Ausdruck der Dankbarkeit gegenüber dem Geber der Gaben. Sparsamkeit macht den Menschen genügsam; und wie ein Hadith sagt: „Genügsamkeit ist ein unerschöpflicher Reichtum.“[9] Sie führt zu Segen und einem würdevollen Leben.

Verschwendung hingegen führt zu Unzufriedenheit, ständiger Klage, Gier, Heuchelei und fehlender Aufrichtigkeit; sie bricht die Würde des Menschen und zwingt ihn dazu, vor anderen sein Ansehen zu verlieren. Gläubige sollten ihre Bedürfnisse stets im Rahmen des Notwendigen betrachten und bei jeder Angelegenheit der Regel der Bescheidenheit folgen.

Eines Tages fastete unser Prophet (F. s. m. i.). Zur Zeit des Fastenbrechens brachte man ihm ein Glas Milch. Die edlen Gefährten wetteiferten stets darum, ihm eine Freude zu bereiten, weshalb sie an diesem Tag etwas Honig in die Milch mischten. Als der Prophet (F. s. m. i) ein bis zwei Schlucke nahm und den Geschmack des Honigs bemerkte, entfernte er das Gefäß von seinen gesegneten Lippen und fragte: „Was ist das?“ Die Anwesenden antworteten: „O Gesandter Gottes, wir haben etwas Honig beigemischt, da wir dachten, es würde dir gefallen.“ Daraufhin stellte der Prophet das Gefäß zur Seite und sprach:

„Achtet darauf: Ich sage nicht, dass es verboten wäre, dies zu trinken; doch wisst, wer in seinem Essen, Trinken, in seiner Kleidung und seinem Auftreten um Gottes willen bescheiden ist, den erhöht Gott immer weiter. Wer aber hochmütig ist und sich groß macht, den erniedrigt Gott immer mehr. Wer sparsam handelt, den macht Gott reich. Wer jedoch verschwendet, den lässt Gott in Armut und Bedürftigkeit fallen. Und wer Gottes häufig gedenkt, mit dem ist der Erhabene zufrieden.“[10]

Wohl dem, der Sparsamkeit und Genügsamkeit zum Fundament seines Lebens macht. Glück und frohe Botschaft denen, die sich von der Ichbezogenheit des Lebens lösen und leben, um andere leben zu lassen.


[1] Sure El-Furqān, 25:67

[2] Ibn Ḥanbel, Musned, 1|447.

[3] Muslim, Zekāt, 117.

[4] Sure El-Isrāʾ, 17:26, 27.

[5] Sure El-Qaṣaṣ, 28:77.

[6] Bukhārī Libās, 1.

[7] Ibn Mādja, Ṭahāra, 48.

[8] Ibn Ḥanbel, Musned, 1|447.

[9] Ṭaberānī, el Muʿdjam el ʾewseṭ 7|84.

[10] Bezzār, Musned, 3|160.

Let's get Social

Wir würden uns freuen, von Ihnen in unserem sozialen Netzwerk zu hören.
Islamische Akademie für Bildung und Gesellschaft e.V.
Café der Reflexionen