
بسم الله الرحمن الرحيم
وَمِنْ رَحْمَتِهِ جَعَلَ لَكُمُ اللَّيْلَ وَالنَّهَارَ لِتَسْكُنُوا فِيهِ وَلِتَبْتَغُوا مِنْ فَضْلِهِ وَلَعَلَّكُمْ تَشْكُرُونَ
„Er hat aus Seiner Barmherzigkeit für euch die Nacht und den Tag gemacht, damit ihr (während der Nacht) ausruhen und (während des Tages) nach Seiner Huld streben könnt und damit ihr (Ihm) Dank abstattet (für beides).“[1]
In einer Überlieferug unseres Propheten (F.s.m.i) heißt es:
إِنَّ لِرَبِّكَ عَلَيْكَ حَقًّا، وإِنَّ لِنَفْسِكَ عَلَيْكَ حَقًّا، ولأهْلِكَ عَلَيْكَ حَقًّا. فَأَعْطِ كُلَّ ذِي حَقٍّ حَقَّهُ
„Wahrlich, dein Herr hat ein Recht gegenüber dir, dein eigenes Selbst hat ein Recht gegenüber dir, und deine Familie hat ein Recht gegenüber dir. So gib jedem, der ein Recht hat, sein Recht.“[2]
Ehrenwerte Musliminnen und Muslime, Zeit ist Reichtum, Gesundheit ist Wohlstand; diese beiden Dinge richtig zu nutzen, ist das größte Glück. Die Zeit ist ein Kapital, das Gott uns geschenkt hat. Wenn wir dieses Kapital nicht bestmöglich verwerten, werden wir im Jenseits dafür zur Rechenschaft gezogen.
Der Gesandte Gottes (F.s.m.i.) sagte folgendes: „Kein Diener wird am Tag der Auferstehung seinen Platz verlassen können, bis er darüber befragt wurde, wofür er sein Leben verbraucht hat, was er mit seinem Wissen getan hat, auf welchem Weg er seinen Besitz erworben und wofür er ihn ausgegeben hat und in welcher Weise er seinen Körper abgenutzt hat.“[3]
Diejenigen, die ihre Zeit disziplinieren, erreichen ihre Ziele schneller. Zeit zu managen bedeutet, das Leben zu managen. Der Wert der Zeit misst sich nicht an ihr selbst, sondern an den Taten, die in ihr vollbracht werden. Das „Zeitalter der Glückseligkeit“, in dem der Gesandte Gottes (F.s.m.i) gelebt hat, ist kein bloßer Zeitabschnitt; es ist der Name für den Glauben und das Handeln, die in jener Zeit gelebt wurden.
Tatsächlich ist es von großer Bedeutung, dass Gott der erhabene wertvolle Momente wie die Gebetszeiten in die vierundzwanzig Stunden gelegt hat, um der Zeit Licht zu verleihen. Die Hauptgebete verleihen einem gläubigen die Gewohnheit, seine tägliche Zeit einzuteilen und zu planen. Es ist notwendig, den Gebetszeiten Vorrang zu geben und andere Aufgaben nach diesen Zeiten zu planen, um die Gottesdienste nicht zu vernachlässigen. Damit die Woche nicht ohne Licht bleibt, hat Gott sie durch den Freitag gesegnet, der die besonders segensreiche Stunde beinhaltet.
Der Mensch sollte das ihm zur Verfügung stehende 24-stündige Kapital so behandeln, als wäre es sein letzter Tag. Er sollte diese vierundzwanzig Stunden nach dem Hauptgebet programmieren und jeden Teil davon mit dem Dienst am Glauben und am Koran erleuchten. Wenn ein Mensch seine Zeit auf diese Weise nutzt, zeigt er einerseits, dass er den Wert der Zeit wirklich schätzt. Andererseits wird er in einen Kreis des Guten eintreten, wodurch seine Wochen und Monate ebenso sinnvoll vergehen und ein lichtvolles Jahr in seinem Leben entsteht.
Ein weiterer Punkt, der bei der Zeitorganisation beachtet werden sollte, ist folgender: Der Mensch sollte seine geplante Zeiteinteilung zunächst den Personen mitteilen, mit denen er sein Leben teilt, und ihre Gedanken sowie Meinungen einholen. Danach sollte er ihnen die Wichtigkeit seiner Aufgaben erklären und sie rational sowie emotional davon überzeugen. Das heißt, er sollte versuchen zu erklären, dass neben den Rechten des Ehepartners, der Kinder und der Eltern auch die Rechte Gottes, der Religion und des Korans bestehen und dass jedem Rechteinhaber sein Recht gegeben werden muss. Wenn man mit den Personen im selben Haushalt eine Einigung erzielt, kann man die anstehenden Aufgaben leichter und ohne die Belastung durch negative Kommentare des familiären Umfelds erledigen.
Die Zeitorganisation sollte durch stetige Praxis zu einer zweiten Natur in unserem Gewissen werden. Wenn sie zu einer zweiten Natur wird, werden wir uns ihr intensiv widmen, versuchen, unsere eigene geistige Welt in jeden Teil dieser Zeit einzuarbeiten, und keinen seelenlosen Moment vergehen lassen. Die richtige Organisation der Zeit bedeutet, das Leben so zu planen, dass alle notwendigen Aufgaben nach ihrer Wichtigkeit geordnet werden. In diesem Plan müssen die Gottesdienste sowie die Pflichten gegenüber der Familie und den Menschen, für die wir Verantwortung tragen, unbedingt enthalten sein.
Bei der Planung des täglichen Lebens sollte der nächtliche Gottesdienst keinesfalls vernachlässigt werden. Selbst wenn es nur kurz ist, bringt das Aufstehen in der Nacht zum Gebet und zum Bittgebet keinen Verlust, sondern großen Gewinn. Denn der nächtliche Gottesdienst dient der spirituellen Wiedergeburt des Menschen, sein Wert ist sehr hoch und er besitzt bei Gott eine ganz besondere Bedeutung.
Der Vers „Wenn du also fertig geworden bist, dann bemühe dich weiter“[4] bietet den Muslimen eine wichtige Handlungsphilosophie und eine Lebensregel. Im Leben eines Gläubigen sollte es keine Leere geben; Arbeit und Erholung müssen in einer ausgewogenen Weise organisiert werden. Erholung sollte nicht passiv, sondern aktiv sein.
Es ist essentiell, sich durch den Wechsel der Beschäftigung auszuruhen: Vom Lesen zum Gottesdienst, vom Gottesdienst zum Gespräch und zur herzlichen Gemeinschaft, von geistiger Tätigkeit zu körperlicher Tätigkeit – das Prinzip „ausruhen durch arbeiten, arbeiten während man sich ausruht“ ist eine gläubige Lebensweise. Sobald man mit einer Aufgabe fertig ist, ist es wesentlich, sich sofort dem nächsten guten Werk zuzuwenden.
Ein Gläubiger sollte seine Zeit geplant und bewusst nutzen, seine Dankbarkeit durch Taten ausdrücken und seine Pflichten ohne Unterbrechung erfüllen. Die Gläubigen sind wie die Glieder eines Körpers: Sie helfen einander, ergänzen die Mängel des anderen und bedecken dessen Fehler. Wenn man den Kern der Sache betrachtet, hat ein Gläubiger dazu keine Alternative. Zunächst einmal ist jede Gabe, die der erhabene Gott den Gläubigen gewährt hat, sehr groß. Dass wir Menschen sind, ist eine Gabe; Gesundheit, Wohlbefinden und Wohlergehen sind weitere Gaben, und diese Gaben durch den Glauben zu spüren, ist eine ganz besondere Gnade; Essen und Trinken, die Sehnsucht und Erwarten nach dem Jenseits und der ewigen Gaben – kurz gesagt, alles, aber auch wirklich alles ist eine Gnadengabe.
Doch als Kinder der Gewohnheit und Vertrautheit erkennen wir oft nicht deren wahren Wert und können daher unseren Dank nicht recht ausdrücken. Abgesehen von all diesen Gnadengaben werden wir, wenn wir aufblicken und uns umsehen, feststellen, dass an vielen Orten Kriege herrschen und jeden Tag zehntausende Menschen bitterlich leiden. Wenn sich die Ereignisse um uns herum mit all ihrem Schrecken so abspielen, ist es dann nicht eine Gnadengabe, dass wir uns auf dem rechten Weg befinden und ein geeignetes Umfeld finden, um unsere Verpflichtungen zu erfüllen? Und verlangt all das nicht nach Dankbarkeit?
Deshalb sollten wir stets von einer Aufgabe zur nächsten eilen, die uns im Rahmen des bestehenden Arbeitssystems zufallenden Pflichten ohne Unterlass erfüllen und die geistigen und spirituellen Freuden, die in der Tat selbst liegen, in ihrer ganzen Tiefe erleben. Ja, für einen Gläubigen kann es nicht infrage kommen, sich in Bequemlichkeit zu wiegen und stehen zu bleiben, indem er sagt: „Es gibt nichts mehr zu tun; meine Aufgabe ist erledigt.“
Es ist die Pflicht des Gläubigen, nach Abschluss einer guten Tat zur nächsten zu eilen, sich innerhalb der Anstrengung auszuruhen, das Ausruhen zur Einleitung einer neuen Anstrengung zu machen und wie ein Mensch zu leben, in dessen Leben es keine Leere gibt.
Möge mein Herr uns den Erfolg schenken, die Zeit unter Nutzung unseres Willens zu ordnen und jeden Moment davon in vollen Zügen zu nutzen!
[1] Sure el Qaṣaṣ 28: 73
[2] Bukhārī, Edeb 86
[3] Tirmidhī, Qiyamah 1
[4] Sure el-Inschirāḥ 94:7