
بسم الله الرحمن الرحيم
كَلَّا بَلْ رَانَ عَلٰى قُلُوبِهِمْ مَا كَانُوا يَكْسِبُونَ
„Doch keineswegs! Wie Rost liegt auf ihren Herzen, was sie sich selbst erworben haben (und verhindert, dass sie die Wahrheit erkennen).“[1]
Unser Prophet (F.s.m.i.) sagte:
مِنْ حُسْنِ إِسْلاَمِ الْمَرْءِ تَرْكُهُ مَا لاَ يَعْنِيهِ
„Zu den Schönheiten der Ergebenheit (Islam) eines Menschen gehört es, dass er von dem ablässt, was für ihn nicht wirklich von Bedeutung ist.“
Ehrenwerte Musliminnen und Muslime
Die heutige Predigt handelt davon, sich von sogenannten nutzlosen Dingen (mā lā yeʿnī) fernzuhalten und unseren Geist sowie unser Unterbewusstsein rein zu bewahren.
Nutzlose Taten sind Worte und Gedanken, die dem Menschen weder in dieser Welt noch im Jenseits irgendeinen Nutzen bringen – zwecklose Äußerungen, nutzlose Beschäftigungen und unnötige Gedanken.
Verhaltensweisen, die als nutzlos gelten und die man meiden soll, sind Tätigkeiten, die mit den universellen Prinzipien des Islams unvereinbar sind und sowohl von der Vernunft als auch vom gesunden gesellschaftlichen Empfinden abgelehnt werden.
Der eigentliche Zweck des menschlichen Geistes ist die Gotteserkenntnis. Daher soll der Geist beständig mit Wissen erfüllt sein, das zur Gotteserkenntnis führt und sie stärkt. Leere und nutzlose Beschäftigungen belasten vor allem den Geist des Menschen. Der Geist wird durch Sünden, Fehler und Schlechtes verunreinigt. Jede Sünde, jeder Fehler und jede schlechte Tat hinterlässt darin eine Spur und spiegelt sich mit der Zeit im Wort und Verhalten des Menschen wieder, sodass er von ihnen gefangen genommen wird. Eine solche innere Verunreinigung schwächt den Wunsch des Menschen, Gutes zu tun, mindert seine Bereitschaft zu rechtschaffenen Taten, lässt ihn den Dienst auf Gottes Weg vernachlässigen und verstärkt seine Neigung zu Übel und Verfehlungen.
Gedanken und Herz eines Menschen, der innere Zerstreutheit erlebt, können sich nicht auf die Dinge konzentrieren, auf die sie sich eigentlich konzentrieren sollten, selbst die lebenswichtigsten Angelegenheiten vermögen ihn nicht zu fesseln, und er kann sich nicht sammeln und fokussieren.
Der Gesandte Gottes sagt: „Jede Sünde hinterlässt im Herzen dessen, der sie begeht, einen schwarzen Punkt, einen Makel. Wenn der Mensch bereut, davon ablässt und Vergebung erbittet, wird sein Herz wieder hell. Kehrt er zurück und begeht erneut Sünden, dann nehmen diese Flecken zu, bis sie schließlich sein Herz ganz einnehmen.“[2]
Der Koran hat davor gewarnt, sich in welcher Form auch immer mit leeren und nutzlosen Dingen zu beschäftigen. Unter ihnen nehmen diejenigen, die mit dem Reden zu tun haben, den wichtigsten Platz ein. Unser Herr spricht:
وَلاَ تَقْفُ مَا لَيْسَ لَكَ بِهِ عِلْمٌ إِنَّ السَّمْعَ وَالْبَصَرَ وَالْفُؤَادَ كُلُّ أُولَئِكَ كَانَ عَنْهُ مَسْئُولاً
„Und folge nicht dem, wovon du kein Wissen hast (sei es gut oder schlecht), und enthalte dich grundloser Behauptungen und Vermutungen. Wahrlich, Gehör, Sehvermögen und Herz – sie alle werden dereinst darüber befragt werden (du bist verantwortlich, und du wirst für sie alle am Tag des Jüngsten Gerichts zur Rechenschaft gezogen).[3]
Nach dem Urteil, das der Vers formuliert, ist es dem Menschen untersagt, in einer Sache zu reden oder ein Urteil zu fällen, von der er nichts weiß; über Menschen zu sprechen, die er nicht kennt; Verleumdungen zu äußern; kurz gesagt, ohne Wissen aufgrund von Vermutungen oder Gerüchten Aussagen zu machen oder Handlungen vorzunehmen, die jemandem materiellen oder immateriellen Schaden zufügen.
Dies ist nicht nur im Islam verboten, sondern ebenso durch das Recht der modernen Welt und durch universelle menschliche Werte. Der Islam geht in Bezug auf solche Menschenrechte sogar noch einen Schritt weiter und erklärt, dass diese Ungerechtigkeit, selbst wenn sie in dieser Welt ungesühnt bleibt, im Jenseits gewiss abgerechnet wird.
Gott erwähnt die Eigenschaften der Gläubigen, indem Er sagt:
وَالَّذِينَ هُمْ عَنِ اللَّغْوِ مُعْرِضُونَ – dass sie sich von leeren und nutzlosen Worten und Taten abwenden. [4]
Der Prophet (F.s.m.i.) sagte:
مَنْ كَانَ يُؤْمِنُ بِاللهِ وَالْيَوْمِ الآخِرِ فَلْيَقُلْ خَيْرًا، أَوْ لِيَصْمُتْ
„Wer an Gott und den Jüngsten Tag glaubt, der soll entweder Gutes sprechen oder schweigen.“ Damit machte er deutlich, dass ein Mensch, der an Gott und den Jüngsten Tag glaubt, außer guten und notwendigen Worten keine leeren Worte äußern sollte.[5]
Der Gesandte Gottes sprach niemals überflüssig[6], aus seinem gesegneten Mund kam kein unnötiges oder Gott missfallendes Wort. Er (F.s.m.i) betrachtete Gespräche, in denen Gottes Name nicht erwähnt wird, als wertlos, warnte seine Gefährten davor und wünschte von ihnen, dass sie, wenn sie sich in einer solchen Runde befanden, diese mit der Bitte um Vergebung verlassen.[7]
Der Gesandte Gottes (F.s.m.i), der leeres Gerede in keiner Form mit dem Charakter eines Muslims vereinbar sah, tadelte jene, die zur Belustigung der Menschen falsche oder unwahre Worte äußerten, indem er sagte: „Wehe ihnen!“ Und er verbot solche Aussagen, da auch scherzhaft geäußerte Lügen nichts Gutes in sich tragen.[8]
Verehrte Gläubige!
In einer Zeit, in der die Gedanken außerordentlich zerstreut sind und die Gründe, die Menschen unnötig beschäftigen, immer mehr zunehmen, klagen viele Menschen darüber, keine Zeit zu finden. Mit der Vielfalt und Zunahme der Kommunikationsmittel, den negativen Einflüssen der Medien und der weiten Verbreitung technischer Geräte ist das Problem des Zeitmangels noch spürbarer geworden.
Die Zahl der Diebe, die unsere wertvollste Ressource, unsere Zeit stehlen, hat zugenommen. Die Technologie, die wir zu unserem eigenen Nutzen entwickelt haben, hat Besitz von uns ergriffen und ist dabei, unsere Zeit, unsere seelische Gesundheit, unsere Moral kurz unser ganzes Leben zu bedrohen. Einige Spiele, Serien und Anwendungen, die vor allem jungen Menschen als Teil einer Unterhaltungskultur schmackhaft gemacht werden, stehlen ihnen unbemerkt ihre Lebenszeit, verwässern menschliche und moralische Werte und entfremden den Menschen von sich selbst und seiner Umgebung. Unnütze, belanglose Beschäftigungen hindern den Menschen daran, sich den Dingen zu widmen, die wirklich zählen, und entfernen ihn von Gottesdiensten, zu denen er verpflichtet ist, sowie von guten Taten, die der Menschheit nützen.
Die Zeit ist eine große Gnade und ein großer Reichtum, den Gott uns geschenkt hat. Wenn wir sie nicht zu schätzen wissen, wird im Jenseits Rechenschaft darüber gefordert werden. Unser Prophet (F.s.m.i.) sagt: „Kein Diener wird sich am Tag der Auferstehung von seinem Platz bewegen können, bevor er nicht darüber befragt wurde, wo er sein Leben verbrachte, wie er sein Wissen nutzte, woher er sein Vermögen verdiente und wohin er es ausgab und wo er seinen Körper abnutzte.“ [9]
Wahren Frieden und echtes Glück können wir nur erreichen, wenn der Geist von Zerstreuung befreit ist und das Herz zur Ruhe kommt. Die wichtigste Voraussetzung, um ein solches Glück zu erlangen, ist, sich von Unnützem fernzuhalten, den Geist mit reinen Gedanken zu füllen und den Herzensschatz mit lauteren Gefühlen zu erleuchten. Darüber hinaus sollten wir unsere täglichen oder wöchentlichen Aktivitäten planen und die Nutzung sozialer Medien begrenzen, um diese Zeit nützlicheren Diensten, unserer Familie und uns selbst zu widmen. Wer nicht die nötige Willenskraft oder Entschlossenheit dafür aufbringen kann, sollte gegebenenfalls professionelle Hilfe in Anspruch nehmen.
Ein Gläubiger sollte in der Feinfühligkeit und Sensibilität des großen Sufis Muḥāsibī sogar seine Träume hinterfragen, vor ihren hässlichen Formen Zuflucht bei Gott suchen und für all jene Gedanken, die nur flüchtig durch den Geist huschen, „Esteġfirullāh“ sprechen.
In einem weisen Wort, das sich auf dieses Thema bezieht, lautet die Empfehlung:
„Wenn du von schlechten Träumen oder Handlungen gefangen wirst, versuche so früh wie möglich, dich davon zu befreien und dich sofort aus diesem gefährlichen Bereich zurückzuziehen. Sonst können dich deine Träume in solche Täler führen, dass du niemals zurückkehren kannst.“
Unsere Bitte an unseren Herrn ist: Möge Er nicht zulassen, dass wir durch unsere Augen und Ohren, durch unsere Zunge und Lippen unser Jenseits verderben. Möge Er uns Klarheit des Geistes, Reinheit des Herzens, Geradlinigkeit des Denkens, inneren Frieden und edle Moral schenken. Amin!
[1] Sure el Muṭaffifīn 83\14
[2] Tirmidhī, Tefsīr, 83\3334
[3] Sure el ʾIsrā 17:36
[4] Sure el Muʾminūn 23:2
[5] Bukhārī, Edeb, 31
[6] Nesāʾī, Djumuʿa, 31
[7] Tirmidhī, Deʿawāt, 38
[8] Ebū Dāwūd, Edeb 80
[9] Tirmidhī, Qiyāma 1