Freitagspredigt: Die Fortführung der Gottesdienste und Wohltaten nach dem Ramadan


بسم الله الرحمن الرحيم

وَاعْبُدْ رَبَّكَ حَتّٰى يَأْتِيَكَ الْيَقينُ

„Und (fahre fort) deinen Herrn anzubeten, bis das, was gewiss ist (der Tod), zu dir kommt.“[1]

                      أَحَبُّ الْأَعْمَالِ إِلَى اللهِ تَعَالَى أَدْوَمُهَا وَإِنْ قَلَّ

In einer Überlieferung unseres Propheten (F.s.m.i) heißt es: „Die beliebtesten Handlungen bei Gott dem Erhabenen sind regelmäßige, auch wenn sie wenig sind.“[2]

Ehrenwerte Musliminnen und Muslime!

So wie der Ramadan kommt und geht, so vergeht auch das Leben. Wir haben versucht, den Monat Ramadan, eine Jahreszeit des Gottesdienstes, mit Fasten, gemeinschaftlichem Koranlesen, täglichen Hauptgebeten und Gottesgedenken, Terāwīḥ-Gebeten, dem Rückzug in die Moschee (Iʿṭikāf), dem Fastenbrechen (ʾIfṭār), der Mahlzeit vor der Morgendämmerung Spenden und der Bewirtung unserer Gäste zu nutzen.

Ein vollkommener Gläubiger begnügt sich nicht damit, nur zu bestimmten Zeiten Gottesdienst zu verrichten; er gestaltet sein gesamtes Leben im Bewusstsein der Dienerschaft, lebt jeden Moment so, als würde er Gott dienen, und setzt dies fort. Wir müssen uns bemühen, die Reife, die wir durch den Gottesdienst und in unserem persönlichen Leben im Ramadan gewonnen haben, auch nach dem Ramadan aufrechtzuerhalten.

Eine der notwendigen Regeln, damit die Gnade des Schöpfers eintritt, ist die Fortführung der Gottesdienste. Gottes Behandlung uns gegenüber wird im Maße der Beständigkeit und Qualität unserer Dienerschaft Ihm gegenüber sein. Dass der Mensch mit Geduld, Standhaftigkeit, Fleiß und Entschlossenheit in seinem Gehorsam und Gottesdienst verharrt, ist auch für die Erlangung von tieferer Gotteserkenntnis sehr wichtig. Wenn der Mensch ernsthafte Bemühungen und Anstrengungen in seiner Dienerschaft gegenüber Gott unternimmt, wird Gott ihm helfen. Der Vers: „Denen aber, die sich um Unsertwillen anstrengen, werden Wir gewiss Unsere Wege zeigen“[3] weist auf diese Wahrheit hin.

Einige der Punkte, die wir insbesondere nach dem Ramadan fortsetzen sollten, sind folgende:

Unser Prophet Muhammed (F.s.m.i) sagte: „Wer das Ramadan-Fasten hält und ihm sechs Tage aus dem Monat Schewwāl hinzufügt, ist so, als hätte er das ganze Jahr fastend verbracht.“ Es ist empfehlenswert, nach dem Ramadan im Monat Schewwāl sechs Tage zu fasten. Wir sollten unser Fasten mit dem Schewwāl-Fasten sowie dem Fasten an Montagen und Donnerstagen fortsetzen.

Dieser gesegnete Monat hat den Gaumen einen Geschmack des Korans verliehen und den Menschen eine Disziplin des Gedenkens und der Hauptgebete eingeimpft. Auch nach dem Ramadan sollte die Zunge mit Koran-Rezitation, Gottesgedenken (Dhikr), Lobpreisung (Tesbīḥ), Segenswünschen und der Bitte um Vergebung beschäftigt werden, um sie von Lügen, Lästerei und bösen Worten fernzuhalten. Gelegentlich sollten Wege zur Lästerei von vornherein verschlossen werden, indem man etwa sagt: „Wenn mir ein Wort der Lästerei über die Lippen kommt, werde ich ununterbrochen so viele Tage fasten und Almosen geben.“ So wie der Körper Bedürfnisse hat, so hat auch die Seele Bedürfnisse. Jeden Tag, indem man ein wenig im Koran liest und mit verschiedenen Hauptgebeten und Bittgesuchen zu Gott fleht Gott sagt: „O ihr, die ihr glaubt! Gedenkt Gottes in häufigem Gedenken, und preist Ihn morgens und abends.“ [4]

Auch wir sollten uns bemühen, unsere im Ramadan gewonnene Gewohnheit des Koranlesens und der freiwilligen Gottesdienste nach dem Ramadan fortzusetzen, indem wir uns persönliche Ziele setzen.

Durch das Fasten lernt der Mensch Standhaftigkeit und Treue. Der Diener hat gezeigt, dass er Gott gegenüber treu ist, indem er in bestimmten Zeitabschnitten auf bestimmte Dinge verzichtet hat. Ein Mensch, der sich Gott gegenüber treu verhält, steigt mit der Zeit auch in seinem Familien- und Sozialleben zu einem Vorbild an Treue auf. Er erinnert sich an den Zustand der Armen, eilt ihren Bedürfnissen zu Hilfe, reicht jedem eine helfende Hand, scheut sich niemals davor, seine läuternde Pflichtabgabe zu zahlen, und kann gar nicht genug davon bekommen, Almosen zu geben und zu spenden. Daher sollte der Gläubige diese Sensibilität auch nach dem Ramadan fortsetzen.

Dank des Ramadan-Fastens knüpft der Mensch im sozialen Leben Bande zu anderen Menschen. Er lädt Nachbarn und Bekannte zum Fastenbrechn ein. Bei  solchen Programmen lernt er verschiedene Menschen kennen. Er sollte versuchen, diese entstandene Herzlichkeit auch nach dem Ramadan bei verschiedenen Gelegenheiten fortzuführen. Er sollte sogar planen, das, was er in dieser Hinsicht nicht geschafft hat, über das Jahr verteilt nachzuholen. Um im nächsten Jahr einen noch gesegneteren Ramadan verbringen zu können, sollte er sich schon jetzt nach alternativen Empfehlungen umsehen.

Das Fasten hat den Menschen an Geduld und das Hungrigsein gewöhnt. So wie er sich gegenüber dem Essen und Trinken in Geduld übt, sagt er  getreu der Lehre von unserem Propheten (F.s.m.i), angesichts unangemessener Verhaltensweisen, die ihm entgegengebracht werden: „Ich faste“, und bleibt geduldig. Auch danach sollte er weiterhin standhaft sein.

Hunger und wenig Essen sind eine bedeutende Dynamik zur Zügelung des Egos. Deshalb haben die Gottesfreunde versucht, ihre spirituelle Reife zu bewahren, indem sie ständig geistige Disziplin übten. Der Mensch sollte auch nach dem Ramadan auf sein Maß beim Essen und Trinken achten.

Nach dem Ramadan ist, wie bei den Gottesdiensten auch, eine gute Vorbildfunktion im Ausleben des Islam und die Beständigkeit in dieser Vorbildfunktion wesentlich. Ein Vorbild, das Beständigkeit aufweist, wird sich zweifellos auf unsere Umgebung übertragen und auf Wohlwollen stoßen.

Ein Gelehrter, der die Gelegenheit hatte, einige der Schüler kennenzulernen, die dem Groß-Lehrmeister Bediuzzaman Said Nursi gedient haben, sagt Folgendes: In dieser Zeit wurde ich Zeuge davon, wie sie ihre Hauptgebete mit größter Sorgfalt verrichteten, ihre täglichen Lobpreisungen und Gedenken nicht vernachlässigten, ihre Nächte ohne Unterbrechung mit Gottesdienst belebten, bei ihren Gebetswaschungen sehr achtsam waren und dass jeder von ihnen ein Vorbild an Sauberkeit und Reinheit war. Denn die Persönlichkeit (Bediuzzaman), der sie folgten, war in all diesen Angelegenheiten außerordentlich gewissenhaft. Da er sein gesamtes Leben mit einem tiefen Bewusstsein der Dienerschaft verbrachte, spiegelte sich diese Haltung auch in seinem Umfeld wider, und die Beständigkeit in seiner Vorbildfunktion blieb nicht wirkungslos.

Kurzum, um gute Diener sein zu können, müssen wir einander beistehen und uns gegenseitig zu guten Taten anspornen. Wenn wir anderen bei ihrem spirituellen Erwachen helfen, helfen wir gleichzeitig uns selbst, innerlich lebendig zu bleiben. Lassen wir die guten Gewohnheiten, die wir im Ramadan erworben haben, zu einem Teil unseres Wesens werden und versuchen wir, sie auf die übrige Zeit des Jahres auszuweiten.

Möge mein Herr uns zu jenen machen, die wahrhaft glauben, rechtschaffene Taten vollbringen und einander die Wahrheit sowie die Geduld ans Herz legen.


[1] Sure el Ḥidjr 15:99

[2] Bukhārī, Riqāq, 18

[3] Sure ʿAnkebūt 29:69

[4] Sure el ʾEḥzāb 33:41/42

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