
بِسْمِ اللّٰهِ الرَّحْمَنِ الرَّحِيمِ
وَالَّذينَ جَاهَدُوا فينَا لَنَهْدِيَنَّهُمْ سُبُلَنَاۜ وَاِنَّ اللّٰهَ لَمَعَ الْمُحْسِنينَ
„Jene (jedoch), die sich mit aller Kraft um Unserer Sache willen einsetzen, die werden Wir ganz gewiss auf Unseren Wegen leiten (die Wir festgelegt haben, um sie zur Errettung zu führen). Wahrlich, Gott ist mit denen, die danach streben, Gutes zu tun, und sich bewusst sind, dass Gott sie sieht.“
In einer Überlieferung unseres Propheten (F.s.m.i) heißt es:
لا يُؤْمِنُ أَحدُكُمْ حتَّى يُحِبَّ لأَخِيهِ مَا يُحِبُّ لِنَفْسِهِ
„Keiner von euch Glaubt wahrhaftig, solange er seinem Bruder nicht wünscht, was er sich selber wünscht.“
Ehrenwerte Musliminnen und Muslime! Unsere Predigt wird sich mit dem Stellenwert und der Bedeutung der Festtage in unserer Religion befassen. Tage, die eine religiöse oder nationale besondere Heiligkeit und Bedeutung besitzen und gemeinsam gefeiert werden, nennt man Festtage.
Das Fest der Annäherung ist seit den Propheten Abraham und Ismael (F.s.m.i.) bis in unsere Zeit stets ein Symbol der Hingabe, Aufrichtigkeit, Tapferkeit und Opferbereitschaft gewesen. Diese Tage wurden in Medina durch die mündliche und praktische Umsetzung des Propheten – entsprechend dem Befehl Gott – den Muslimen als Festtage vorgeschrieben.[1]
In einem edlen Hadith heißt es: „Der größte aller Tage bei Gott ist der der erste Tag des Annäherungsfestes. Ihm folgt im Vorzug der der zweite Tag des Festes der Annäherung.“[2]
In einer ähnlichen Überlieferung heißt es: „Die größten Tage bei Gott sind der erste und zweite Tag des Annäherungsfestes.“ [3]
Als unser Prophet Muhammed (F.s.m.i.) nach der Hidschra nach Medina kam, hatten die Bewohner Medinas zwei Festtage. Er fragte sie: „Was bedeuten diese beiden Tage?“ Sie antworteten: „In der Zeit der Unwissenheit (Dschahiliyya) pflegten wir uns an diesen Tagen zu vergnügen.“ Darauf sagte der Gesandte Gottes: „Gott der Erhabene hat euch anstelle dieser beiden Tage zwei bessere Tage geschenkt: das Annäherungsfest und das Ramadanfest.“
Der Tag von Arafat und die Tage des Annäherungsfestes sind zugleich die Zeiten der Pilgerfahrt, die als heiliger und himmlischer Kongress des Islam gilt. Es sind Tage, an denen die Muslime mit aller Aufrichtigkeit nach der Vergebung ihrer Sünden streben; Tage, an denen manche ihr Gesicht dem Hause Gottes zuwenden, auf der Ebene von Arafat die Wuqūf vollziehen und flehend und bittend beten.
Auch der göttliche Befehl: „Wir haben dir wahrlich el-Kewther gegeben. So verrichte das Gebet für deinen Herrn und opfere!“ richtet sich in der Person des Gesandten Gottes (F.s.m.i) an alle Gläubigen und gebietet ihnen, das Annäherungsfest durch das Verrichten des Festgebets und das Darbringen der Opfer zu begehen.[4]
Unser Prophet Muhammed (F.s.m.i.)verrichtete, als er sich in Medina befand, die Festgebete auf einem Platz namens „Musallā“ gemeinsam mit Männern, Frauen, Jugendlichen und Kindern. Sogar Frauen, die nicht beten konnten, empfahl er zu kommen, der Predigt zuzuhören, am Bittgebet teilzunehmen und Almosen zu geben.
Die Festtage sind eine gesegnete Zeitspanne, in der die verrichteten Taten vielfach belohnt werden. Der Gesandte Gotts (F.s.mi.) gratulierte auf dem Hin- und Rückweg zum Festgebet den Menschen entlang der Straßen zum Fest, verteilte nach den Festgebeten Spenden und Geschenke und ermutigte auch andere dazu. Er erklärte, dass diese Gaben ein Mittel zur Vergebung der Sünden seien.[5]
Gemäß dem Hadith: „Schmückt das Ramadan- und das Annäherungsfest mit ‘Lā ilāha illallāh’, ‘Allāhu Ekber’, ‘Subhānallāh’ und ‘Alhamdulillāh’“, ist es Sunna, an den Festtagen reichlich diese Gebete zu sprechen.[6]
Geehrte Gläubige!
Obwohl die Festtage kurz sind, bergen sie den Segen, die Freude und den Nutzen von Wochen, ja sogar Monaten in sich. Für diejenigen, die die Festtage wahrhaftig zu nutzen verstehen, hat Gott der Erhabene besondere Zuwendungen und überraschende Gnaden bereitet, die man in zehn gewöhnlichen Monaten oder vielleicht sogar in mehreren Jahren nicht erreichen könnte. Denn die Festtage sind die praktischste Gelegenheit für menschliche Begegnungen und die geeignetste Atmosphäre für gemeinschaftlichen Zusammenhalt.
Festtage können dazu beitragen, dass Menschen, die durch Zwietracht voneinander entfernt wurden, wieder zusammenfinden, sich umarmen, Zerstrittene sich versöhnen und Freundschaften gefestigt werden. Besonders an den Festtagen sollte die Einsamkeit und Fremdheit der Menschen geteilt werden; traurige Gesichter sollten zum Lächeln gebracht und betrübte Herzen getröstet werden.
Beachten wir die Weisung unseres Propheten (F.s.m.i), der die Festtage als „Tage der Freude und Fröhlichkeit“ bezeichnete. Lassen wir nicht zu, dass uns die Hektik des Alltags erdrückt. Machen wir unsere Festtage zu einer Gelegenheit, unsere Wunden zu heilen.
Nutzen wir die friedliche und versöhnliche Atmosphäre der Feiertage, um auf Menschen zuzugehen, mit denen wir zerstritten sind. Setzen wir uns für Aktivitäten ein, die das Miteinander stärken. Folgen wir dem Rat unseres Propheten (F.s.m.i) und machen wir den ersten Schritt. Zeigen wir unseren Verwandten, Freunden sowie Mitmenschen in schwierigen Lebenslagen durch einen Anruf oder einen lieben Gruß, dass wir an sie denken.
Lasst uns älteren Menschen mit einem Besuch ein Lächeln ins Gesicht zaubern und den Jüngeren durch liebe Worte und kleine Geschenke eine Freude machen. Gehen wir auch aktiv auf nichtmuslimische Menschen zu, um Brücken des Dialogs zu bauen. Auf diese Weise stiften wir Frieden und zeigen offen, dass Vorurteile bei uns keinen Platz haben.
An den Festtagen sollten Tage und Stunden stets auf Gottesdienst ausgerichtet sein. Bei unseren Besuchen sollten wir Bücher verschenken, wenn möglich auch nur kurz gemeinsam lesen und beten, bevor wir gehen. Selbst die Festtage sollten deshalb als Chancen genutzt werden.
In diesen wertvollen Zeiten ist es außerdem von großer Bedeutung, sich Gott zuzuwenden, Seine Zufriedenheit zu erlangen und sich für Liebe, Brüderlichkeit und Menschlichkeit einzusetzen. Die Festtage entsprechend dem Sinn unserer Existenz und unserer Glaubensmission zu leben, kann einen Gewinn bringen, als hätte man die Hadsch vollzogen.
O Gott! Um der reinen Herzen willen, die sich während der Pilgerfahrt Dir zugewandt haben; um unserer Geschwister willen, die in dieser gesegneten Zeit Reisen unternehmen, um Millionen Bedürftigen auf der ganzen Welt zu helfen. Lass die Gesichter unserer Menschen und der gesamten Menschheit lächeln und gewähre uns wahre Festtage im Diesseits wie auch im Jenseits. Amin!
[1] Ebū Dawūd, ʾEḍāḥī 1
[2] Ebū Dawūd, Menāsik 19
[3] Suyuṭī, Djāmiʿ eṣ Ṣaghīr, 2/3
[4] Sure el Kewther 108: 1–2
[5] Muslim, Ṣalātul ʿīdeyn , 9
[6] Suyuṭī, Djāmiʿ eṣ Ṣaghīr, 2/3