
بسم الله الرحمن الرحيم
. إِنَّ الَّذِينَ قَالُوا رَبُّنَا اللهُ ثُمَّ اسْتَقَامُوا فَلاَ خَوْفٌ عَلَيْهِمْ وَلاَ هُمْ يَحْزَنُونَ
„Wahrlich, diejenigen, die bekennen: “Unser Herr ist Gott!”, und dann den geraden Weg befolgen (in ihrem Glauben, Denken und Handeln), die brauchen keine Angst zu haben noch müssen sie traurig sein.“[1]
لَا تَزَالُ طَائِفَةٌ مِنْ أُمَّتِي ظَاهِرِينَ عَلَى الْحَقِّ لَا يَضُرُّهُمُ مَنْ خَذَلَهُمْ حَتَّى يَأْتِيَ أَمْرُ اللهِ، وَهُمْ كَذَلِكَ
In einer Überlieferung unseres Propheten (F.s.m.i):
„Es wird immerfort eine Gruppe aus meiner Gemeinschaft (Ummah) geben, die fest auf der Wahrheit beharrt und siegreich sein wird; ihnen wird derjenige nicht schaden können, der sie im Stich lässt, bis der Befehl Gottes (der Jüngste Tag) eintrifft und sie noch immer in diesem Zustand sind.“[2]
Ehrenwerte Musliminnen und Muslime!
Ramazan kommt mit tausendfacher Anmut. Tag und Nacht hüllt er sich stets in Vergebung, verweilt so und wischt die Sünden der Menschen fort. Wenn seine Zeit abgelaufen ist, geht er unter lautem Abschied, um jenen Seelen, die eins mit dem Ramadan geworden sind, keine Leere zu hinterlassen; er vertraut uns das Fest an, das man als einen Tag bezeichnen kann, in dem das Gute, der Segen und die Freude komprimiert sind.
Feste sind Zeitabschnitte, die trotz ihrer Kürze den Ertrag, das Gute, den Segen und die Freude von Wochen oder gar Monaten in ihrem Schoße bergen. An Festtagen gibt es solch zusätzliche Zuwendungen und überraschende Gaben des Schöpfers, dass diese in den anderen zehn Monaten, ja vielleicht in einigen Jahren ohne Fest, nicht erreicht werden können. All die guten Taten und gottesdienstlichen Handlungen gewinnen erst durch die Zuwendung des Schöpfers an Wert. Feste sind eben einer der wichtigsten Anlässe für solch eine göttliche Zuwendung; sie sind förmlich eine Zeit, in der man göttliche Gnaden erfährt, die ausreichen, um ein ganzes Leben zu versüßen.
Unser Fest ist ein Fest, das wir auf der Hoffnung gründen, vom Höllenfeuer befreit zu werden, nachdem wir den ehrwürdigen Ramazan – dessen Anfang Barmherzigkeit, dessen Mitte Vergebung und dessen Ende die Errettung vor dem Höllenfeuer ist – gebührend genutzt haben. Wir feiern nicht das Zurücklassen des Ramadan und der Fastentage, sondern wir feiern das Fest, von der Last der Fehler und Sünden befreit worden zu sein.
In einem Hadith heißt es: „Am Morgen des Ramadan-Festes begeben sich die Engel auf die Straßen und rufen: ‚O Gemeinschaft der Muslime! Eilt zur Barmherzigkeit eures Herrn, dessen Großzügigkeit grenzenlos ist. Er, der Erhabene erweist Seinen Dienern am Festtag reichlich Güte und Wohltaten und schenkt großzügige Belohnung. Euch wurde befohlen, die Nächte im Gebet zu verbringen, und ihr habt diesen Befehl erfüllt. Euch wurde befohlen, am Tage zu fasten, und ihr habt das Fasten eingehalten.‘“ Nachdem das Festgebet verrichtet wurde, ruft ein Rufer: „Frohe Botschaft für euch! Euer Herr hat euch vergeben.“[3]
Festtage sind gesegnete Zeitabschnitte, in denen die vollbrachten Taten um ein Vielfaches vergolten werden. Der Gesandte Gottes (F.s.m.i) pflegte auf dem Weg zum und vom Festgebet jene zu grüßen und ihnen zum Fest zu gratulieren, die die Wege säumten.[4] Im Anschluss an das Festgebet gab er Almosen und Geschenke und ermutigte auch dazu, diese zu geben. Er verkündete, dass diese Gaben ein Anlass für die Vergebung der Sünden sein würden.[5]
Der Prophet der Barmherzigkeit brachte an einem Festtag ein weinendes Waisenkind zum Lächeln und feierte erst danach selbst das Fest. Er (F.s.m.i) sah Kinder, die in ihren Festtagskleidung voller Freude und Heiterkeit spielten. Als er an ihnen vorbeiging, bemerkte er am Rand ein Kind in zerrissener Kleidung, dass die andere volle Trauer zusah. Der Gesandte Gottes (F.s.m.i) eilte voller Barmherzigkeit sofort zu ihm; er (F.s.m.i) erkundigte sich nach seinem Befinden und wollte sein Herz gewinnen. Das Kind erzählte weinend, dass sein Vater gestorben ist und es nun ganz allein dastünde.
Er (F.s.m.i) nahm die Hände des Kindes voller Mitgefühl in seine eigenen, streichelte liebevoll sein Haar und sagte: „Mein liebes Kind, möchtest du, dass Gottes Gesandter dein Vater, ’Aischa deine Mutter, Fatima deine Schwester und Hasan sowie Hüseyin deine Brüder sind?“
Dann nahm er es mit in sein gesegnetes Heim, das man gegen kein Paradies eintauschen möchte; er gab ihm zu essen und zu trinken und kleidete es schön ein. Danach änderte er seinen Namen „Budjeyr“, das keine gute Bedeutung hatte, mit den Worten: „Von nun an soll dein Name nicht mehr Budjeyr sein, sondern ‚Beshīr‘, was ‚Überbringer froher Botschaft‘ bedeutet“, und schenkte ihm förmlich eine Neugeburt. Beshīr kehrte lachend zu den spielenden Kindern zurück und verbrachte sein Fest voller Freude.
Verehrte Gläubige!
Feste, die in ihrer wahren Bedeutung wertgeschätzt werden, können ein Anlass dafür sein, dass Menschen, die sich durch die Saat der Zwietracht voneinander entfernt haben und förmlich verwildert sind, wieder zusammenfinden und einander umarmen. Um vom Segen der Feste zu profitieren, muss jeder Augenblick im Namen von Liebe, Freundschaft, Geschwisterlichkeit und guten Taten ausgefüllt werden.
An Festtagen sollte man die Fremde und Einsamkeit der Menschen teilen, versuchen, die Nöte aller gebrochenen Herzen zu lindern und betrübte Gesichter zum Lächeln zu bringen. Der Gesandter Gottes (F.s.m.i) sagt: „Ich schwöre bei Allah, in dessen Hand meine Seele liegt; ihr werdet nicht ins Paradies eintreten, bis ihr glaubt. Und ihr werdet nicht (vollkommen) glauben, bis ihr einander liebt!“
Lasst uns also auf den Rat unseres Herrn hören und den ersten Schritt der Liebe auf unsere Verwandten, Nahestehenden, Freunde und Geschwister in Not zugehen, indem wir sie anrufen und ihnen zum Fest gratulieren. Nehmen wir uns die Rechtleitung unseres Propheten zu Herzen, der die Feste als Tage der Heiterkeit und Freude bezeichnete. Lassen wir nicht zu, dass die Aktualität (der Alltag und die Krisen) uns erstickt. Verwandeln wir unsere Feste in einen Impuls, um unsere Wunden zu heilen.
In der weichen und toleranten Atmosphäre der Feste, die jeden umarmt und jedem offensteht, können Groll und Feindseligkeit beseitigt werden. Man kann Aktivitäten unternehmen, die den Zusammenhalt zwischen den Menschen stärken; durch Besuche kann man die Herzen der Älteren gewinnen, und durch Zuwendung und Geschenke können die Herzen der Kleinen in Freude getaucht werden. Sogar mit Nicht-Muslimen können verschiedene Dialogbrücken errichtet werden, um eine Atmosphäre des Friedens zu schaffen und zu zeigen, dass wir keine Vorurteile gegen sie hegen.
Besonders in einer Zeit, in der sich Grausamkeiten vervielfachen, hat die Welt einen so großen Bedarf an allgemeinen Frieden. Lasst uns das Fest nicht nur für uns selbst, sondern im Namen unserer Geschwister und im Namen der Menschheit leben.
Möge unser Fest neue Feste gebären. Mögen unsere Freude, der Beginn neuer Freuden und unser innerer Frieden das Heilmittel für viele Unruhen sein. Möge unser Glück den Schmerzen in allen vier Ecken der Welt Trost spenden. Amin!
[1] Sure el ʾEḥkāf 46:13
[2] Muslim, Imān, 247
[3] Mundhīr, et Terġīb, I, 465
[4] Dihlewī, 2|92
[5] Muslim, Ṣalāt el ʿIdeyn, 9