
بِسْمِ اللّٰهِ الرَّحْمَنِ الرَّحِيمِ
وَمَا آتَاكُمُ الرَّسُولُ فَخُذُوهُ وَمَا نَهَاكُمْ عَنْهُ فَانْتَهُوا وَاتَّقُوا اللَّهَ إِنَّ اللَّهَ شَدِيدُ الْعِقَابِ[…]
[…] Und was immer der Gesandte euch gibt, nehmt es freudig entgegen; und was immer er euch verbietet, darauf verzichtet. Hütet euch vor Ungehorsam gegen Gott in Ehrfurcht vor Ihm und in Frömmigkeit. Wahrlich, Gott ist streng in der Vergeltung.[1]
تَرَكْتُ فِيكُمْ أَمْرَيْنِ لَنْ تَضِلُّوا مَا تَمَسَّكْتُمْ بِهِمَا: كِتَابَ اللّهِ تَعالَى، وَسُنَّةَ رَسُولِهِ صَلَّى اللَّهُ
عَلَيْهِ وَسَلَّم.
In einer Überlieferung unseres Propheten (F. s. m. i) heißt es: „Ich hinterlasse euch zwei Dinge, ihr werdet nicht irregehen, solange ihr euch an ihnen festklammert. Das Buch Gottes, des Erhabenen, und die Sunna seines Gesandten, Friede sei mit ihm.[2]
Ehrenwerte Musliminnen und Muslime! In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag jährt sich der Mewlid des Propheten (F. s. m. i), also seine Geburt. In diesem Zusammenhang handelt die heutige Predigt von der Wichtigkeit dessen, der Sunna zu folgen.
Die Sunna unseres Propheten (F. s. m. i) sind seine Worte, seine Handlungen oder auch seine verbalen bzw. nonverbalen Zustimmungen bezüglich der Handlungen der Prophetengefährten. Es sind die vom Gesandten Gottes (F. s. m. i.) gelehrten und festgelegten Regeln, es ist der von ihm bevorzugte Weg, auf dem er nach den Geboten Gottes handelte. Mit anderen Worten können wir sagen, dass die Sunna in einer Hinsicht, vom Verbindlichen bis zu den empfohlenen Handlungen, in ihrer Gesamtheit die Religion widerspiegelt. Der gerade Weg, auf dem zu sein wir im Gebet in der Sūre Fātiḥa vierzigmal täglich bitten, ist der Weg des Propheten, der Weg der erhabenen Sunna.
Der Weg der Sunna ist die Leiter, um zu Gott zu gelangen. Wer in einem kurzen Leben sehr viel jenseitigen Ertrag gewinnen und jede Minute seines Lebens so fruchtbar machen möchte wie ein ganzes Leben, der soll der Sunna folgen.
Wenn das wichtigste Vermächtnis, das unser Prophet (F. s. m. i) uns hinterlassen hat, sein erhabenes, lichtvolles Leben selbst ist, dann ist es für uns eine Notwendigkeit und Verpflichtung, uns mit dieser edlen Tugend zu schmücken. Natürlich gilt: Sich mit dem, was obligatorisch ist, zu schmücken, ist obligatorisch; sich mit dem, was notwendig ist, zu schmücken, ist notwendig; sich mit der Sunna zu schmücken, ist Sunna, und sich mit dem Empfohlenen zu schmücken, ist empfohlen. Die Dienste zur Belebung der erhabenen Sunna mit ihrem jeweiligem Charakter sind so gesegnet und so heilig, dass man keinen Zweifel daran haben darf, dass diejenigen, die eine solche Aufgabe schultern, mit den Märtyrern gleichauf gehen.
Der edle Gesandte (F. s. m. i) sagte: „Wer sich in der Zeit des Verderbens meiner Umma an meine Sunna hält, für den gibt es den Lohn eines Märtyrers.“[3]
Die Sunna wurde immer zusammen mit dem Koran betrachtet. Sie ist so eng mit dem Koran verbunden und geht so sehr mit ihm einher, dass es unmöglich ist, sie vom Koran zu trennen oder den Koran von ihr.
Der Koran befiehlt in vielen Versen, der Sunna des Gesandten Gottes (F. s. m. i) zu folgen, und in vielen Hadithen werden die Bedeutung der Sunna und ihr Stellenwert hervorgehoben.
Sage [zu ihnen, o Gesandter]: „Wenn ihr Gott wahrhaft liebt, so folgt mir; dann wird Gott euch lieben und euch eure Sünden vergeben.“ Gott ist vergebend, barmherzig.[4]
Ihr habt fürwahr im Gesandten Gottes ein ausgezeichnetes Vorbild, dem ihr folgen könnt, für jeden, der auf Gott hofft und auf den Jüngsten Tag und sich an Gott erinnert und Seiner häufig gedenkt.[5]
„Mit Ausnahme dessen, der sich weigert einzutreten, wird jeder aus meiner Gemeinschaft ins Paradies eintreten“, sprach er. Als die edlen Gefährten fragten: „Wer ist derjenige, der sich weigert einzutreten, o Gesandter Gottes?“, antwortete er: „Wer mir gehorcht, tritt ins Paradies ein; wer mir aber ungehorsam ist, das bedeutet, dass er sich weigert, ins Paradies einzutreten.“[6]
Das Leben eines Gläubigen sollte sich an der Sunna ausrichten. Jedes Mal, wenn eine Sunna aufgegeben wird, nimmt an ihrer Stelle eine verwerfliche Neuerung (Bidʿa) ihren Platz ein. So viele vergessene Sunnan es gibt, so viele Dornen überwuchern das gesellschaftliche Leben. Jede Neuerung löscht eine Sunna aus, und jede belebte Sunna beseitigt eine Neuerung. Besonders in Zeiten, in denen Neuerungen überhandnehmen, ist die Befolgung der erhabenen Sunna von noch größerem Wert. Vor allem in der Zeit des Verderbens der Gemeinschaft zeigt schon die Beachtung einer kleinen Etikette der Sunna ein bedeutsames Maß an Gottesfurcht und einen starken Glauben. Ja, sogar in der kleinsten Handlung, sei es beim Essen, Trinken oder Schlafen, werden in dem Moment, in dem man die Etikette der erhabenen Sunna beachtet, diese gewöhnliche Handlung und dieser natürliche Vorgang zu einem verdienstvollen Gottesdienst und einer religiösen Handlung. Aufgrund dieses Geheimnisses verwandelt derjenige, der es sich zur Gewohnheit macht, der erhabenen Sunna zu folgen, seine Gewohnheiten in Gottesdienste und kann so sein gesamtes Leben fruchtbar und verdienstvoll machen.[7]
Geehrte Musliminnen und Muslime!
Anlässlich der Geburt des Propheten können wir einen Aspekt aus dem erhabenen Leben unseres Geliebten (F. s. m. i) ansprechen und uns bemühen, vergessene Sunnan in unser Leben zu tragen. Wir können einige seiner Hadithe wiedergeben, die wir „djewāmiul kelim“ nennen, Worte, die mit wenigen Ausdrücken viel Bedeutung enthalten; wir können ein Thema erwähnen, das mit der Lösung individueller, familiärer oder gesellschaftlicher Probleme seiner Gemeinschaft zusammenhängt; und wir können, im Wunsch nach seiner Fürsprache, Segensgrüße und Friedenswünsche über ihn sprechen.
All dies hat seinen Ursprung in der Religion. Denn das Gedenken an Gott, Ihn zu lobpreisen und Ihm zu danken, sowie das Erinnern an den Propheten und das Sprechen von Segenswünschen über ihn sind Erfordernisse des Glaubens.
Einige Sunnan unseres Propheten (F. s. m. i), die manche von uns vergessen haben, sind das Duḥā-Hauptgebet, welches vor dem Eintreten des Hauptgebets am Mittag verrichtet werden kann, das Ewwābin-Hauptgebet, welches zwischen dem Abend- und dem Nacht-Hauptgebet verrichtet werden kann, sowie das Tehedjjud-Gebet, welches vor Eintreten der Zeit des Hauptgebets am Morgen verrichtet werden kann. Auch der Rückzug (I‘tikâf) am Ende des Ramadans ist eine Sunna des Propheten.
Der edle Gesandte (Gott segne ihn und schenke ihm Frieden) opferte bei seiner Abschiedspilgerfahrt dreiundsechzig Kamele eigenhändig und die übrigen, bis zur Zahl von hundert, durch die Hand von ʿAlī mit den Worten: „Dies für mich, und dies für die Armen meiner Gemeinschaft.“ Daher können Menschen, die zehn, zwanzig oder gar hundert Tiere mit der Absicht opfern, Bedürftigen zu helfen und sie zum Fest zu erfreuen, den Lohn für die Belebung einer Sunna erlangen.
So wie wir Gläubigen und Muslime die Pflicht haben, der Menschheit zu dienen, gehört es ebenso zu unseren Aufgaben, die Sunna, die uns vom Stolz der Menschheit anvertraut wurde, zu befolgen und zu beleben. Möge unser Herr uns zu jenen zählen, die durch die Befolgung der erhabenen Sunna die Fürsprache unseres Meisters erlangen. Amin!
[1] Sure El-Ḥaschr, 59:7.
[2] El-Muweṭaʾ, Qader, 3.
[3] Ebū Nuʿaym, Ḥilyetu el ʾEwliyāi, 8, 200.
[4] Sure ʾĀl ʿImrān, 3:31.
[5] Sure El-Aḥzāb, 33:21.
[6] Bukhārī, ʾiʿtisām 2.
[7] Said Nursi, 11. Lema, 1. Nükte.