
بسم الله الرحمن الرحيم
إِنَّا أَنْزَلْنَا إِلَيْكَ الْكِتَابَ بِالْحَقِّ فَاعْبُدِ اللَّهَ مُخْلِصًا لَهُ الدِّينَ
„Wir haben dir das Buch mit der Wahrheit herabgesandt (das Buch, das diese Wahrheit verkörpert und nichts Falsches in sich birgt), darum bete Gott an, aufrichtig in deinem Glauben an Ihn, und praktiziere die Religion einzig und allein um Seinetwillen.“[1]
In einer Überlieferung unseres Propheten (F.s.m.i) heißt es:
إِنَّ اللهَ لَا يَقْبَلُ مِنَ الْعَمَلِ إِلَّا مَا كَانَ لَهُ خَالِصًا، وَابْتُغِيَ بِهِ وَجْهُهُ
„Gott nimmt nur jene Taten an, die aufrichtig und allein um Seines Wohlgefallens willen vollbracht werden; Taten hingegen, deren Ziel nicht das Wohlgefallen Allahs ist, nimmt Er nicht an.“[2]
Ehrenwerte Musliminnen und Muslime! Unsere heutige Predigt handelt von der Reinheit der Absicht und der Aufrichtigkeit.
Reinheit der Absicht bedeutet, aufrichtig zu sein, rein zu sein und fern von Augendienerei zu sein. Es bedeutet, die Gottesdienerschaft nur für das Wohlgefallen Gottes auszuführen.
Die Reinheit der Absicht besteht darin, bei der Ausführung der Gebote Gottes in keine weltlichen oder jenseitigen Erwartungen zu verfallen. Vielmehr soll dabei allein das Wohlgefallen Gottes beabsichtigt werden.
Die Reinheit der Absicht und die Handlung sind wie der Körper und die Seele. Es sind zwei Grundelemente, die sich gegenseitig vervollständigen. Wenn die Handlung selbst der Körper ist, so ist die Reinheit der Absicht das Leben in ihr, oder wenn die Handlung ein Flügel ist, so ist die Reinheit der Absicht der andere Flügel. Weder kann der Körper ohne Leben bestehen, noch kann man mit nur einem Flügel eine Distanz bestreiten. Die Akzeptanz der Handlungen durch Gott, hängt lediglich von der Reinheit der Absicht ab.
Wenn in einer Angelegenheit, das Wohlgefallen Gottes als Ziel genommen wurde, dann wird das dem Diener Kraft geben. Aufgrund der Reinheit der Absicht, wird der Diener damit auf Gott vertrauen. Ein Gläubiger, der sich auf Gott stützt, wird nicht verlieren. Dschuneyd el Beġdādi sagte: „Die Reinheit der Absicht ist ein Geheimnis zwischen dem Diener und Gott. Die Engel können den Lohn nicht niederschreiben, weil sie ihn nicht kennen. Der Teufel kann in ihr kein Unheil stiften, weil er davon keine Kenntnis hat. Das Ego bemerkt es nicht, weswegen es die Reinheit der Absicht nicht auf sich lenkt.“
Im Koran wird reichlich erwähnt, dass der Gottesdienst nur um das Wohlgefallen Gottes willen verrichtet werden soll und dieser Aspekt wird mit dem Verständnis von der Reinheit der Absicht verknüpft.
[…] أَلَا لِلَّهِ الدِّينُ الْخَالِصُ […]
“[…]Es ist Gott allein, dem aller aufrichtige Glaube, alle Anbetung und jeglicher Gehorsam gebührt[…]”[3]
أَعْبُدَ اللهَ مُخْلِصًا لَهُ الدِّينَ
„Sprich: “Mir ist geboten worden, Gott anzubeten, aufrichtig im Glauben an Ihn, und die Religion zu praktizieren ausschließlich um Seinetwillen.“[4]
Mit diesen Versen wird hervorgehoben, wie wichtig die Reinheit der Absicht ist. Die erste und wichtigste Eigenschaft der Propheten ist Aufrichtigkeit (ṣidq), und ihre lichtvollste Dimension ist die Reinheit der Absicht. Zwischen der Reinheit der Absicht und der Aufrichtigkeit besteht eine enge Verbindung. Die Reinheit der Absicht ist eine der herausragendsten Eigenschaften der wahrhaft Aufrichtigen, die an Reinheit nicht zu übertreffen sind. Auch in den Überlieferungen unseres Propheten (F.s.m.i) wird die Reinheit der Absicht betont. Einige Beispiele:
„Sei in deinem religiösen Leben rein in der Absicht, auch wenn es wenig ist, die Handlungen mit einer reinen Absicht werden dir genügen.“[5]
Manchmal und unter bestimmten Umständen verleiht Gott der Erhabene aufgrund der jeweiligen Bedingungen einer kleinen Tat ein Vielfaches an Wert und macht sie zu einer Ähre, die das Tausendfache trägt. Zum Beispiel entspricht eine gut genutzte Nacht der Bestimmung eine Gottesdienerschaft von über achtzig Jahren.
In einer anderen Überlieferung unseres Propheten (F.s.m.i) heißt es : „Wenn ihr das Totengebet eines Muslims betet, dann betet in einer reinen Absicht für ihn.“[6]
Wiederum sagte unser Prophet (F.s.m.i): „Meine Fürsprache im Jenseits ist für jene die mit einer Aufrichtigkeit „ Es gibt keine Gottheit außer Gott ( lā ilāhe ille Ellāh) sagen. Denn das Herz des Aufrichtigen bestätigt seine Zunge, und seine Zunge bestätigt sein Herz.[7]
Einmal fragten die Jünger Jesus (Friede sei mit ihm) nach dem Aufrichtigen.
Er (F.s.m.i.) antwortete darauf: „Der Aufrichtige ist jemand, der um Gottes willen handelt, aber es weder liebt noch wünscht, von den Menschen dafür gelobt zu werden.“[8]
Ein Punkt, auf den wir besonders achten sollten, ist folgender: Wenn manche Früchte oder Belohnungen am Ende einer Anstrengung erscheinen, ohne dass sie angestrebt wurden, sollte man sie mit Dankbarkeit entgegennehmen, ihnen mit Lobpreis begegnen und sie als eine Gabe Gottes betrachten, für die man Ihm danken muss.
In einer Zeit, in der der Egoismus überhand nimmt, dürfen wir nie vergessen, dass die unzähligen Gnadengaben, die in Strömen auf uns herabregnen, womöglich eine Prüfungsein könnten, im Sinne davon, dass Gott den Ungehorsamen die Güter dieser Welt reichlich gewährt, um sie in ihrer Achtlosigkeit zu belassen und sie so noch weiter vom rechten Weg zu entfernen.
Damit wir in der Zeit des Erfolgs keine Verluste erleiden, sollten wir angesichts unserer Errungenschaften die Hände zum Bittgebet erheben und sprechen: „O mein Herr! Lass die Gaben, die Du uns gewährt hast, weit über unsere Würdigkeit und Fähigkeiten hinaus uns nicht überheblich oder hochmütig werden. Lass uns nicht straucheln!“
Ehrwürdige Gläubige!
Der Erwerb von Aufrichtigkeit, die in unserem religiösen Leben von so großer Bedeutung ist, hängt von der Stärke des Glaubens, vom Wachsen der Gewissheit im Glauben und von der inneren Ausrichtung auf den Gedanken der Lauterkeit ab. Aufrichtigkeit, Ehrlichkeit und Treue stehen in direktem Verhältnis zum Glauben. Je tiefer der Mensch glaubt, desto mehr gelingt es ihm, aufrichtig zu sein.
Daher sollte ein Gläubiger sich niemals mit dem derzeitigen Stand seines Glaubens zufriedengeben, sondern stets danach streben, im Glauben und in der Gotteserkenntnis Fortschritte zu machen. Wenn wir uns also vom nachgeahmten Glauben (īmān taqlīdī) zum wirklich begründeten Glauben (īmān taḥqīqī) weiterentwickeln und uns beständig Gott, dem Erhabenen, zuwenden, dann wird Gott, so wie Er einst in unseren Herzen die Flamme des Glaubens entzündet hat, eines Tages auch die Flamme der Lauterkeit in uns entfachen. So werden wir mit Gottes Erlaubnis und Seiner Hilfe fähig sein, das, woran wir glauben, stets mit Aufrichtigkeit zu leben. Darum sollte der Gläubige nie mit dem derzeitigen Zustand seines Glaubens zufrieden sein, sondern immer bestrebt bleiben, sich im Glauben und in der Erkenntnis weiterzuentwickeln.
Zugleich sollten wir uns gegenseitig unterstützen, um die Grundsätze der Aufrichtigkeit in unser Leben zu integrieren. Wann immer wir zusammenkommen, sollten wir solche Themen gemeinsam besprechen und über sie nachdenken.
In der 21. Reflexion werden die Grundregeln der Aufrichtigkeit wie folgt
zusammengefasst:
- In euren Handlungen sollte allein das Wohlgefallen Gottes das Ziel sein. Wenn Er zufrieden ist, hat es keine Bedeutung, wenn die ganze Welt euch missbilligt.
- Kritisiert eure Glaubensgeschwister nicht und weckt in ihnen keinen Neid durch ein Verhalten, das wie Selbstruhm oder Überheblichkeit wirkt.
- Setzt all eure Kraft für Aufrichtigkeit und Wahrheit ein.
- Stellt euch die Vorzüge eurer Brüder und Schwestern so vor, als wären sie eure eigenen, und freut euch dankbar über ihre Tugenden und Ehren.
Zusammenfassend gilt: Um wahren Glauben zu erlangen und Aufrichtigkeit zu erreichen, sollten wir im Bewusstsein der Brüderlichkeit handeln und eine Haltung pflegen, die auf gemeinsamer Beratung und Reflexion beruht. Neben diesen äußeren Anstrengungen sollten wir uns auch im Gebet an Gott wenden und Seine göttliche Hilfe erbitten.
Möge unser Herr uns zu jenen aufrichtigen Dienern zählen, denen Er die Reinheit der Absicht verliehen hat. Amin!
[1] Sure ez Zumer 39:2
[2] En Nesāʾī, Djihad, 24
[3] Sūre ez Zumer 39: 3
[4] Sūre ez Zumer 39:11
[5] Beyhāqī, Schuʿab el ʾīmān, 5\342
[6] Ebū Dawūd, Djenāʾiz, 60
[7] Musned, 2\307
[8] Ibn Kethīr, Tefsīr el Qurān el ʿAṭīm, Istanbul, 1984, Bd. 5, S.232