Die Prophetengefährten und der Weg der Gefährten

بِسْمِ اللّٰهِ الرَّحْمَنِ الرَّحِيمِ

وَالسَّابِقُونَ الْأَوَّلُونَ مِنَ الْمُهَاجِرِينَ وَالْأَنْصَارِ وَالَّذِينَ اتَّبَعُوهُمْ بِإِحْسَانٍ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُمْ وَرَضُوا عَنْهُ وَأَعَدَّ لَهُمْ

جَنَّاتٍ تَجْرِي تَحْتَهَا الْأَنْهَارُ خَالِدِينَ فِيهَا أَبَدًا ذَلِكَ الْفَوْزُ الْعَظِيمُ

“ Die Ersten und Vordersten (die den Islam annehmen und die anderen an Tugend übertreffen) unter den Auswanderern und den Helfern und jenen, die ihnen in Ergebenheit und dem Verrichten guter Taten nacheifern, wobei sie sich bewusst sind, dass Gott sie sieht – Gott hat Wohlgefallen an ihnen, und sie sind wohl zufrieden mit Ihm, und Er hat für sie Gärten bereitet, die von Strömen durchflossen sind; dort sollen sie ewig verweilen. Das ist die höchste Glückseligkeit.“[1]

Sure et Tewbe 9:100

In einer Überlieferung des Propheten (F.s.m.i) heißt es:

أَصْحَابِي كَالنُّجُومِ فَبِأَيِّهِمْ اِقْتَدَيْتُمْ اِهْتَدَيْتُمْ

„Meine Gefährten sind wie Sterne, wenn ihr euch auch immer zum Wegweiser nimmt, er wird euch zur Rechtleitung führen“.[2]

ʿAbd ibn Ḥumeyd, el-Musned 1/250


Ehrenwerte Musliminnen und Muslime!

Unsere heutige Predigt handelt von den Gefährten des Propheten (F.s.m.i) und dem Weg der Gefährten.

Jeder Gläubige, der in die gesegnete Atmosphäre des Gesandten Gottes (F.s.m.i) eintrat, dessen Herz und Seele von dieser Atmosphäre inspiriert wurden, der auch nur ein wenig von seinem lichtvollen Umfeld profitierte und als Muslim verstarb, wird als Gefährte bezeichnet. Wer kein Muslim ist, kann selbst dann kein Gefährte sein, wenn er den Gesandten Gottes (F.s.m.i) fünfzigtausend Mal gesehen hätte.

Unsere ehrwürdigen Gefährten nehmen im Islam einen äußerst wichtigen Platz ein, aufgrund ihrer tiefen Verbundenheit und Hingabe gegenüber unserem Propheten (F.s.m.i), ihrer Unterstützung für ihn sowie ihrer außergewöhnlichen Bemühungen nach seinem Tod, damit der Islam richtig verstanden wird. Der Gesandter Gottes (F.s.m.i) empfahl seiner Gemeinschaft, sich die Gefährten zum Vorbild zu nehmen, und stellte ihren Weg als Fortführung der Religion dar.

Wenn die edlen Gefährten nicht richtig verstanden werden und man ihre Art, den Glauben zu leben und auszulegen, nicht kennt, kann auch das Leben unseres Propheten (F.s.m.i) nicht vollständig begriffen werden. Denn die edlen Gefährten sind wie eine Brücke zu ihm (F.s.m.i). Ohne sie ist es äußerst schwierig, die Lebensgeschichte des Propheten (F.s.m.i) sowie die Absichten des Korans und der Sunna richtig zu verstehen. Die Anlässe der Offenbarung der Suren und Verse, die Hintergründe der Hadithe, die praktische Umsetzung und Erläuterung der koranischen Gebote sowie die Handlungen des Gesandten Gottes (F.s.m.i) sind durch die Gefährten überliefert worden.

Der edle Koran beschreibt die Gefährten mit den Worten:

كُنْتُمْ خَيْرَ أُمَّةٍ أُخْرِجَتْ لِلنَّاسِ

„Ihr seid die beste Gemeinschaft, die für die Menschen hervorgebracht wurde.“[3]

Die Gefährten sind innerhalb der islamischen Gemeinschaft die vorzüglichste und tugendhafteste Generation.

Sie waren Drohungen, Folter und sogar dem Tod ausgesetzt. Sie mussten ihre Heimat, ihren Besitz, ihre Ehepartner und ihre Kinder verlassen und in andere Länder auswandern. Dennoch machten sie niemals Zugeständnisse an ihrem Glauben oder an ihrer Verbundenheit zu Gott und Seinem Gesandten.

Gott der erhabene teilt uns im Koran mit, dass Er mit den Gefährten zufrieden ist und die Gefährten mit Ihm zufrieden sind und dass Er für sie Paradiesgärten vorbereitet hat, in denen sie ewig verweilen werden.[4]

Der Weg der Gefährten

Unter der Führung und Anleitung unseres Propheten (F.s.m.i) legten die Gefährten beim Dienst an der Religion besonderen Wert auf folgende Grundsätze:

Die Verse des Korans berichten, dass die Gefährten andere sich selbst vorzogen, obwohl sie selbst in Not waren. Dadurch verdienten sie die ewige Erlösung, ihnen wurde Vergebung als wahrhaftige Gläubige zugesagt und eine großzügige Versorgung im Jenseits versprochen.

ويُؤْثِرُونَ عَلَى اَنْفُسِهِمْ وَلَوْ كَانَ بِهِمْ خَصَاصَة

„Sie stellen ihre Brüder sogar über sich selbst, auch wenn sie selbst bedürftig sind.“[5]

Bei den edlen Gefährten sehen wir in höchstem Maße den Grundsatz: Im Dienst an vorderster Stelle stehen, beim Lohn jedoch im Hintergrund bleiben. Sie strebten nicht nach außergewöhnlichen Wundern, sondern nach Standhaftigkeit auf dem geraden Weg.

Sie bemühten sich, durch Wertschätzung der Menschen ihre Herzen zu gewinnen.

Sie verkündeten den Glauben in erster Linie durch ihr eigenes Vorbild.

Die Auswanderung war stets ein Bestandteil ihres Lebens.

Sie erreichten den höchsten Grad an Großzügigkeit beim Spenden.

Entsprechend der besonderen Betonung des Korans auf die Jugend widmeten sie den jungen Menschen große Aufmerksamkeit.

Sie maßen dem Bittgebet große Bedeutung bei, sodass jeder einzelne Gefährte zu einem Menschen des Bittgebets wurde.

Sie engagierten sich gegen das Böse und gegen schlechte Gewohnheiten in der Gesellschaft.

Sie nahmen sich stets Zeit für Wissen, wissenschaftliche Tätigkeiten und Bildung.

Überall, wohin sie gingen, bemühten sie sich, entsprechend den Bedingungen und Bedürfnissen ihrer Zeit , Institutionen aufzubauen und Einrichtungen zu gründen.

Sie bezogen jeden Menschen in ihre Arbeit mit ein und gaben jedem eine Aufgabe, die er erfüllen konnte.

Sie förderten das Zusammenleben durch den Dialog und bewiesen dies auch durch ihr Handeln.

Manchmal wurden sie, als Teil des Schicksals ihres Weges, Verleumdungen und Unterdrückung ausgesetzt.

Ehrenwerte Gläubige!

Nach dem Heimgang unseres Propheten (F.s.m.i) ins Jenseits wanderten die Gefährten in verschiedene Regionen aus, um dort als Lehrer und Gelehrte zu wirken. Sie ließen sich in wichtigen Zentren nieder und kehrten meist nicht mehr in ihre Heimat zurück.

Überlieferungen zufolge ließen sich mehr als zehntausend Gefährten in Syrien nieder, über fünfhundert in Homs. Der Gelehrte es-Suyūṭī stellte fest, dass sich mehr als dreihundert Gefährten in Ägypten niederließen. Auch nach Tāif, Jemen, Yemāme, Bahrain, el-Medā’in, Merv, Nischapur, Isfahan und Samarkand gingen Gefährten, von denen viele dort verstarben. Berichten zufolge erreichten einige Gefährten sogar Indien, China und Andalusien.

Obwohl heute in Istanbul etwa dreißig Gräber als Gräber von Gefährten besucht werden, belegen die historischen Quellen lediglich, dass Ebū Eyyūb El-Ensārī und Ebū Scheybe el-Khudrī dort als Märtyrer starben.

Ehrenwerte Musliminnen und Muslime!

Die edlen Gefährten bekannten sich zum Islam in einer Zeit, in der dies einen sehr hohen Preis hatte. Aus freiem Willen standen sie für ihre Religion ein.

Wenn wir heute insbesondere der jungen Generation Vorbilder präsentieren möchten, denen sie folgen können, dann verdienen nach den Propheten vor allem die edlen Gefährten diesen Platz. Deshalb sollten wir bei der Veranschaulichung religiöser Themen immer wieder auf ihr Leben verweisen und sie als Vorbilder hervorheben.

Möge Gott auch uns gewähren, den Islam wie die Gefährten richtig zu verstehen, ihn aufrichtig zu leben, ihn zu bewahren und ihn in der Sprache unserer Zeit zu den bedürftigen Herzen zu bringen. Amin!


[1] Sure et Tewbe 9:100
[2] ʿAbd ibn Ḥumeyd, el-Musned 1/250
[3] Sure Āl ʿImrān, 3:110
[4] Sure et-Tewbe, 9:100
[5] Sure el-Ḥaschr, 59:9

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