
بسم الله الرحمن الرحيم
اِنَّ عِدَّةَ الشُّهُورِ عِنْدَ اللّٰهِ اثْنَا عَشَرَ شَهْرًا ف۪ي كِتَابِ اللّٰهِ يَوْمَ خَلَقَ السَّمٰوَاتِ وَالْاَرْضَ مِنْهَٓا اَرْبَعَةٌ حُرُمٌۜ ذٰلِكَ
[…]الدّ۪ينُ الْقَيِّمُ
Die Anzahl der Monate vor Gottes Angesicht beträgt zwölf, wie von Gott festgelegt und bestimmt an dem Tag, als Er die Himmel und die Erde erschuf [und sie in Bewegung setzte, die sie bis heute beibehalten haben].[1]
Ehrenwerte Musliminnen und Muslime! In unserer heutigen Predigt geht es um die gesegneten drei Monate und die Nacht von Reġāib. Diese drei Monate beginnen ab dem kommenden Sonntag, und direkt danach werden wir in der Nacht, die den Donnerstag mit dem Freitag verbindet, die Reġāib-Nacht begehen.
Wenn wir von diesen Monaten sprechen, denken wir an eine gesegnete Zeitspanne. Diese Monate sind Radjeb, Scheʿbān und Ramadan. Der wertvollste Monat ist der Ramadan, in dem auch die Nacht der Bestimmung, also die Leylet el-Qadr, liegt. Die Monate Radjeb und Scheʿbān dienen als Vorbereitung auf den gesegneten Monat Ramadan und die Nacht der Bestimmung.
So wie die Sunnan im Hauptgebet uns auf die Kernaufgaben vorbereiten und bestimmte Säulen der Hauptgebete uns auf die Niederwerfung vorbereiten, so bereiten uns auch die Monate Radjeb und Scheʿbān auf den Monat Ramadan und die Nacht der Bestimmung vor.
Als diese gesegneten drei Monate begannen, pflegte unser Prophet (F. s. m. i) wie folgt zu beten:
اللَّهُمَّ بَارِكْ لَنَا فِي رَجَبٍ وَشَعْبَانَ وَبَلِّغْنَا رَمَضَانَ
„O Herr, segne uns die Monate Radjeb und Scheʼbān und lasse uns den Monat Ramadan erreichen.”[2]
Wenn diese Zeitspannen richtig genutzt werden, werden sie uns dazu verhelfen, Belohnungen zu erlangen, die wir ein Leben lang sonst nicht erreichen könnten.
Gleichzeitig wird betont, dass die in diesen Monaten begangenen Sünden schwerer wiegen als die Sünden, die in anderen Monaten begangen werden. Wie Imam Ṭaberī berichtet: „Unterdrückung mag in jedem Fall schlimm sein, doch wenn sie in den gesegneten Monaten begangen wird, ist die Sünde weit größer als in den übrigen Monaten.“[3]
Für uns ist das beste Vorbild der Gesandte Gottes (F. s. m. i.). Wenn die gesegneten drei Monate begannen, fastete er (F. s. m. i) mehr als zu anderen Zeiten, verrichtete vermehrt freiwillige Gebete und kümmerte sich noch intensiver um die Bedürftigen. Je näher der Ramadan rückte, desto mehr steigerte er diese Taten. Der Gesandte Gottes, der ohnehin stets großzügig war, schien mit dem Eintreffen des Ramadan förmlich aufzublühen. Ibn ʿAbbas berichtet, dass seine Großzügigkeit insbesondere während des Ramadan zunahm, vor allem wenn er auf den Engel Gabriel (F. s. m. i.) traf:
„An diesen Tagen war der Gesandte Gottes (F. s. m. i) großzügiger als der Wind, der den Menschen Barmherzigkeit bringt.“ Das heißt, er verteilte sogar das Letzte, was er besaß. Gegen Ende des Ramadan weckte er nachts seine Familie, damit sie ihre Gottesdienste intensivieren konnte.[4]
Im Allgemeinen gehört das Fasten zweifellos zu den schönsten Gottesdiensten, die in diesen Monaten verrichtet werden können.
Im Islam gibt es zeitlich festgelegtes Fasten nur im Ramadan. Nach den Aussagen unserer Mutter ʿĀischa hat der Gesandte Gottes (F. s. m. i.) keinen anderen Monat vollständig mit Fasten verbracht als den Ramadan. Nach dem Ramadan war der Monat, in dem er am meisten fastete, der Monat Scheʿbān.[5]
Für diejenigen, die mehr fasten möchten, empfahl der Gesandte Gottes das Fasten im Wechsel, das sogenannte Fasten des Propheten David: einen Tag fasten, einen Tag nicht fasten.[6]
Darüber hinaus gibt es nach dem islamischen Mondkalender das Fasten am 13., 14. und 15. Tag jedes Monats sowie an Montagen und Donnerstagen.
Gesegnete Nächte und Tage sinnvoll nutzen
Die in den gesegneten drei Monaten liegenden Regāib, Mi’rādsch, Berā’a und die Nacht der Bestimmung sind goldene Zeitabschnitte. Sie gelten als Anlegestellen, Häfen und Rampen, um Gott geistig näherzukommen. Da die in diesen Monaten verrichteten Gottesdienste einen Wert jenseits aller Werte erlangen, sollten sie als eine Zeit der Gelegenheit und des Gewinns verstanden werden. Es ist daher keineswegs bedenklich, für diese Nächte bestimmte Formen von Gottesdienst zu empfehlen, wie etwa vermehrt zu beten, den Koran zu lesen und Bittgebete zu sprechen. Denn diese wertvollen Zeitabschnitte sind gleichsam ein Gefäß, das den in ihm verrichteten Taten einen besonderen, überragenden Wert verleiht. Unser Prophet (F. s. m. i) hat in einem Hadith mitgeteilt, dass die in solchen Nächten gesprochenen Bittgebete von Gott nicht zurückgewiesen werden.[7]
Nach den religiösen Vorschriften beginnt der Tag mit dem Sonnenuntergang, also mit dem Eintritt der Zeit des Abendgebets, und dauert bis zum Sonnenuntergang des nächsten Tages, also bis zum Eintritt der Zeit des Abendgebets. Wenn wir von der Freitagnacht sprechen, ist damit die Nacht gemeint, die den Donnerstag mit dem Freitag verbindet, also der Zeitraum nach dem Abendgebet.
Bis heute haben wir viel über die gesegneten drei Monate gehört. Doch das Wesentliche ist: Nachdem man etwas gehört hat, sollte man versuchen, es zu verstehen, zu verinnerlichen und im Inneren zu spüren. Wenn ein Mensch sich nicht auf das einlässt, woran er glaubt, kann er dessen Bedeutungen weder wahrnehmen noch fühlen. In diesen Monaten etwas zu spüren, hängt in erster Linie davon ab, daran zu glauben, dass in ihnen etwas Besonderes geschieht, daran zu glauben, dass wir etwas Geistliches finden werden, und uns mit ganzem Herzen Gott zuzuwenden. Den Wert einer Sache erkennt man nur, wenn man sie schätzt und pflegt. Andernfalls ziehen die drei Monate wie andere Monate vorbei, ohne dass wir daraus Nutzen ziehen.
Die Nacht der Wünsche: Raġāib
Wenn man von der Nacht der Wünsche spricht, versteht man darunter: „eine Nacht voller Gnade und Wohltaten, von großem Wert und Bedeutung, die gut genutzt werden sollte.“ Dabei handelt es sich um die erste Freitagnacht im Monat Radjeb. Es ist eine Nacht, in der der Gesandte Gottes (F. s. m. i.) besondere göttliche Manifestationen empfing, spirituelle Gnaden und Himmelsstufen erreichte.
Bediüzzaman erklärt, dass die Nacht der Wünsche der Beginn des spirituellen Aufstiegs des Propheten (F. s. m. i) war und dass dieser Aufstieg in der Nacht von Miʿrādj seinen Höhepunkt erreichte.
Geehrte Gläubige!
Im Islam erhalten gesegnete Zeiten und Orte ihren ganzen Wert und ihre Heiligkeit aus dem Willen Gottes und dienen den Muslimen als Mittel, unendliche Segnungen zu empfangen. Gesegnete Monate, Tage und Nächte gehören zu den Symbolen des Islam; sie haben besondere Bedeutung und Wunder. Das Universum, die Himmel, der gesamte Kosmos und alles, was existiert, empfinden Ehrfurcht vor diesen gesegneten Zeiträumen.
Wir sollten bereits jetzt bewusst planen, wie wir diese gesegneten Tage und Nächte nutzen wollen: Welche Bücher möchten wir in diesen Monaten lesen? Welche guten Taten werden wir verrichten? Wann werden wir unsere Koranrezitationen gemeinsam mit der Übersetzung durchführen? Wo werden wir das Terawīḥ-Gebet verrichten? Wenn wir klar planen, werden wir mit Gottes Hilfe unsere Ziele weitgehend erreichen.
Wir gratulieren euch zu euren gesegneten drei Monaten und zur Nacht der Wünsche und bitten den Allmächtigen um Gnade, dass diese Zeit allen Menschen als Mittel zur Erlösung dienen möge. Amin!
[1] Sure Et-Tewbe, 9:36.
[2] Ahmed ibn Ḥanbel, Musned, 1\259.
[3] Ṭaberī, Taberî, 10/89.
[4] Bukhārī, Ṣawm, 7.
[5] Muslim, Ṣiyām 175, 176.
[6] Muslim, Ṣiyām.
[7] Es Suyūṭī, Djāmiʿ es Ṣaġīr, 3\454.