Die freiwilligen Gottesdienste


بسم الله الرحمن الرحيم

وَمِنَ الَّيْلِ فَتَهَجَّدْ بِه نَافِلَةً لَكَۗ عَسٰى اَنْ يَبْعَثَكَ رَبُّكَ مَقَامًا مَحْمُودًا

„Und verrichte in einem Teil der Nacht den Gottesdienst damit als zusätzliche Gabe für dich. Vielleicht wird dein Herr dich zu einer lobenswerten Stellung erheben.“
(Isrāʾ, 79)

Unsere ehrwürdige Mutter Āische (Gottes Wohlgefallen mit ihr) berichtet:

     أَنَّ نَبِيَّ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ كَانَ يَقُومُ مِنْ اللَّيْلِ حَتَّى تَتَفَطَّرَ قَدَمَاهُ فَقَالَتْ عَائِشَةُ لِمَ تَصْنَعُ هَذَا يَا رَسُولَ اللَّهِ وَقَدْ غَفَرَ اللَّهُ لَكَ مَا تَقَدَّمَ مِنْ ذَنْبِكَ وَمَا تَأَخَّرَ قَالَ أَفَلَا أُحِبُّ أَنْ أَكُونَ عَبْدًا شَكُورًا

„Der Gesandte Gottes (F.s.m.i) stand nachts im Gebet, bis seine Füße anschwollen. Da fragte ich: ‚O Gesandter Gottes! Gott hat dir doch alle Sünden in der Vergangenheit und in der Zukunft vergeben (Fetḥ, 48/2). Warum mühst du dich im Gottesdienst dennoch so sehr?‘ Er antwortete: ‚Sollte ich denn kein dankbarer Diener sein?‘“[1]

Der sicherste, kürzeste und angesehenste Weg, der den Menschen Gott näherbringt, ist die Erfüllung der obligatorischen Pflichten (farḍ). Daneben erreicht der Mensch wahre Geliebtheit und Nähe zu Gott, jedoch nur durch freiwillige Gottesdienste, die unbegrenzt sind. Die Verrichtung freiwilliger Gottesdienste, die dem Willen des Menschen überlassen sind, führt zu großen Belohnungen bei Gott. Diese zusätzlichen Handlungen sind von großer Bedeutung, um unsere Pflicht zu Dank und Lobpreis gegenüber Gott zu erfüllen, Sein Wohlgefallen zu erlangen und Ihm nahe zu sein.

Gott der Erhabene sagt in einem Hadith-Qudsi: „Das Liebste, womit Mein Diener Mir näherkommt, ist die Erfüllung dessen, was Ich ihm zur Pflicht gemacht habe. Und Mein Diener nähert sich Mir weiterhin durch freiwillige Taten, bis Ich ihn liebe. Wenn Ich ihn liebe, werde Ich sein hörendes Ohr, sein sehendes Auge, seine greifende Hand (sein denkendes Herz und seine sprechende Zunge). Bittet Mich Mein Diener um etwas, so gebe Ich es ihm. Sucht er Zuflucht bei Mir, so gewähre Ich ihm Schutz.“[2]

Ja, der Mensch nähert sich Gott durch freiwillige Taten und erlangt Gottes Liebe. Wenn Gott einen Menschen liebt, macht Er ihn auch bei den Menschen beliebt.[3]

Alle Gottesdienste, die außerhalb der obligatorischen Pflichten verrichtet werden, nennt man freiwillige Gottesdienste. Wenn wir also zu den fünf Hauptgebeten auch die freiwilligen Gebete, die der Prophet (F.s.m.i) vor und nach dem Hauptgebet verrichtet hat verrichten, steigert dies unsere Bereitschaft zur Erfüllung der Pflichten und unser Verlangen nach freiwilligen Gottesdiensten. Freiwillige Taten bereiten uns nicht nur auf die Pflichten vor, sondern heilen auch Wunden in unserem spirituellen Leben, denn sie sind  die Sühne für unsere Sünden und werden am Jüngsten Tag als Ausgleich für fehlende Hauptgebte gezählt und so zum Eintritt ins Paradies führen.

Das Ewwābīn Gebet

Vom Gesandten Gottes (F.s.m.i) und von den edlen Gefährten wurden Hadithe überliefert, die dazu ermutigen, nach dem Abendgebet freiwillige Gebete zu verrichten. Der Prophet (F.s.m.i) sagte:
„Wer nach dem Abendgebet sechs Einheiten verrichtet, ohne etwas Schlechtes zu sprechen, dem wird dies wie zehn Jahre Gottesdienst angerechnet.“[4]

Es gibt weitere ermutigende Überlieferungen, wonach demjenigen, der dieses Gebet verrichtet, selbst wenn seine Sünden so zahlreich wären wie der Schaum des Meeres, vergeben wird, und wer nach dem Abendgebet vier weitere Einheiten verrichtet,  mit dem Paradies belohnt wird und Gott ihm dort einen Palast errichtet. [5]

Die hanafitischen Rechtsgelehrten betrachten die zwei Einheiten der betonten Sunna des Abendgebets und die anschließenden vier Einheiten des empfohlenen Gebets als zwei getrennte Gebete. Einigkeit besteht darin, dass die beständige Sunna (sunna mu`ekkede) des Abendgebets zwei Einheiten umfasst. Das Ewwābīn Gebet wird mit vier Einheiten ist keine beständige Sunna (ghayr mu`ekkede ) eher wird sie als empfohlener Gottesdienst angesehen.

Das Tehedjud Gebet

In unserer Sprache wird der Begriff Tehedjud für alle Gebete verwendet, die zur Belebung der Nacht verrichtet werden, mit Ausnahme der Pflichtgebete, der wādjib Gebete und des Terāwīḥ Gebets. In der Auslegung von Sure Isrāʾ, Vers 79, wird erwähnt, dass das Tehedjud Gebet für den Gesandten Gottes (F.s.m.i) Pflicht war, für seine Gemeinschaft jedoch freiwillig ist. Nachdem die Sure Muzzemmil offenbart worden war, verrichtete der Prophet (F.s.m.i) jede Nacht das Tehedjud Gebet und sagte, dass das vorzüglichste Gebet nach den Hauptgebeten das Gebet in der Mitte der Nacht sei.[6]

Er sagte außerdem: „Verrichtet das Nachtgebet (Tehedjud), denn es war die beständige Praxis der rechtschaffenen Diener vor euch, es bringt Nähe zu Gott, tilgt Sünden und hält von Verfehlungen ab.“[7]

Wenn der Prophet (F.s.m.i) das Nachtgebet aus einem Grund nicht verrichten konnte, holte er es tagsüber zur Zeit des Duḥā Gebets in größerem Umfang nach.[8]

In einem von ʿUmar (Gottes Wohlgefallen mit ihm) überlieferten Hadith sagte der Gesandte Gottes (F.s.m.i):

„Wer seine gewohnte Nachtandacht oder sein regelmäßiges Gedenken verschläft, dem wird der Lohn dafür angerechnet, wenn er sie zwischen dem Morgengebet und dem Mittagsgebet verrichtet, als hätte er sie nachts vollzogen.“[9]

Das Tehedjud Gebet wird nach dem Nachtgebet verrichtet. Wer befürchtet, aus Erschöpfung nicht aufstehen zu können, darf es auch vor dem Schlafen nach Mitternacht verrichten. Die Nacht beginnt mit dem Eintritt der Abendzeit und endet mit dem Eintritt der Morgendämmerung. Das Tehedjud Gebet kann mit zwei, vier oder acht Einheiten verrichtet werden.

Wer dieses Gebet mit vollständiger Koranrezitation verrichten möchte und kein Ḥāfiẓ ist, also den Koran nicht auswendig kann, kann den Koran vor sich legen und ihn im Gebet lesen, ohne die Seiten während des Gebets umzublättern.

Der Ort, an dem sich die Niederwerfungen besonders vermehren lassen, ist der Nachtgottesdienst, denn dort sind der Anzahl nach keine Grenzen gesetzt; so haben manche sogar Hunderte von Einheiten verrichtet.

Unser Herr, der Erhabene und Allmächtige, möge uns gewähren, unsere freiwilligen Gebete in diesem Bewusstsein zu verrichten.


[1] Bukhārī, Teheccüd

[2] Bukhārī, Riḳāḳ, 38

[3] Bukhārī, Tewḥīd, 33

[4] Tirmidhī, Ṣalāt, 202

[5] Tirmidhī, Muwāqīt eṣ Ṣalāt, 204

[6] Muslim, Ṣiyām, 203

[7] Tirmidhī, Deʿawāt, 115

[8] Muslim, Ṣalāt al Musāfirīn, 139

[9] Muslim, Musāfirīn, 142

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