Die ersten 10 Verse der Sure el-Mu’minūn


بسم الله الرحمن الرحيم

قَدْ أَفْلَحَ الْمُؤْمِنُونَ (1) الَّذِينَ هُمْ فِي صَلَاتِهِمْ خَاشِعُونَ (2) وَالَّذِينَ هُمْ عَنِ اللَّغْوِ مُعْرِضُونَ (3) وَالَّذِينَ هُمْ لِلزَّكَاةِ فَاعِلُونَ(4

Ehrenwerte Musliminnen und Muslime!


Die heutige Predigt behandelt die Grundprinzipien in den einleitenden Versen der Sere el-Mu’minūn.

Die Sūre el-Mu’minūn ist die 23. Sure des edlen Korans, umfasst 118 Verse und ist eine Mekkanische Sūre. Da sie mit der Beschreibung der Eigenschaften der Gläubigen beginnt, erhielt sie diesen Namen. Jede dieser Eigenschaften hat eine große Bedeutung. Über diese Verse, welche die Eigenschaften der Gläubigen schildern und deren Befolgung zum Paradies führt, berichtet ʿUmar (Gottes habe Wohlgefallen mit ihm) wie folgt: „Wenn dem Gesandten Gottes (F.s.m.i) Offenbarung zuteil wurde, hörte man über seinem Haupt ein Geräusch wie das Summen von Bienen. Eines Tages kam ihm erneut eine Offenbarung. Nachdem wir eine Weile gewartet hatten, endete der Zustand der Offenbarung. Danach wandte sich der Gesandte Gottes (F.s.m.i) zur Gebetsrichtung, erhob seine Hände und sprach folgendes Bittgebet:

‚O Gott! Vermehre die Zahl der Muslime und verringere sie nicht! Erhöhe unsere Ehre und erniedrige uns nicht! Schenke uns, und entziehe uns nicht! Beschütze uns, und stelle niemanden über uns! Mach uns zufrieden und sei du mit uns zufrieden!‘ Danach fuhr der Gesandte Gottes (F.s.m.i) fort und sagte: ‚Mir wurden zehn Verse offenbart. Wer nach ihnen lebt, wird ganz gewiss ins Paradies eingehen.‘ Anschließend begann er mit dem Vers ‚Wahrlich, die Gläubigen haben Erfolg erlangt‘ zu rezitieren und las die ersten zehn Verse der Sure el-Mu’minūn.[1]

Die 1. und 2. Verse lauten:

قَدْ أَفْلَحَ الْمُؤْمِنُونَ (1) الَّذِينَ هُمْ فِي صَلَاتِهِمْ خَاشِعُونَ

  1. Wohl ergeht es fürwahr den Gläubigen.
  2. Sie sind in ihren Gebeten demütig und voll der Ergebenheit (mit Khuschū’)

Khuschūʿ bedeutet, in Gefühlen, Gedanken, im Herzen und in der inneren Hinwendung ehrfürchtig vor Gott zu stehen. Khuschūʿ im Hauptgebet bedeutet, dass der Mensch sowohl innerlich (im Herzen) als auch äußerlich (mit dem Körper) sein Gebet in Ruhe, Achtsamkeit und mit angemessener Haltung verrichtet. Der Sitz des Khuschūʿ ist das Herz. Wenn das Herz in Ehrfurcht ist, dann ist auch der gesamte Körper ehrfürchtig. Über die Bedeutung des Khuschūʿ im Hauptgebet gibt es zahlreiche Überlieferungen. Einige davon lauten:

Der Gesandte Gottes (F.s.m.i.) sah einst einen Mann, der während des Gebets mit seinem Bart spielte, und sagte über ihn: „Wenn das Herz dieses Mannes ehrfürchtig wäre, wären es seine Glieder ebenfalls.“[2]

In einer weiteren Überlieferung sagt der Prophet (F.s.m.i.): „Verrichte das Hauptgebet wie jemand, der sich verabschiedet! Und bete, als würdest du Gott sehen! Wenn du diesen Zustand nicht erreichst, dann bete zumindest im Bewusstsein, dass Gott dich sieht!“[3]

Unsere Mutter ʿĀ’ischa (Gottes habe Wohlgefallen mit ihr) überliefert folgenden Hadith: “Als ich den Gesandten Gottes (F.s.m.i.) nach dem Umherschweifen des Blickes im Gebet fragte, sagte er: „Das Umherschweifen des Blickes im Gebet ist, dass der Satan dem Diener etwa von seinem Gebet entwendet.“[4]

Den Blick im Hauptgebet nicht auf die Stelle zu richten, an der man niederwerfen wird, sondern woanders hin, nimmt dem Hauptgebet seine Vollkommenheit und seinen Lohn. Der Gesandte Gottes (F.s.m.i) verbot, dass eine Person im Hauptgebet so hastig aufsteht und niedergeht wie eine Krähe, die ihr Futter pickt, dass sie ihre Arme wie ein Raubtier flach auf den Boden legt und dass sie sich in der Moschee wie ein Kamel ständig denselben Platz zu eigen macht.[5] Daher sollte man beim Hauptgebet nicht hastig sein und  die Vorbeugung (Rukūʿ) und Niederwerfung (Sudjūd) nicht übereilt verrichten. Je mehr das Hauptgebet im Einklang mit der angemessenen Durchführung der Kernaufgaben steht, desto vollkommener wird es.

Vers 3: „Sie wenden sich stets von allem ab, was sinnlos und leichtfertig ist, und meiden es.“

Der Gesandte Gottes (F.s.m.i) sagte: „Zu den Schönheiten der Ergebenheit (Islam) eines Menschen gehört es, dass er von dem ablässt, was für ihn nicht wirklich von Bedeutung ist.“[6] Unsere Mutter Ḥafṣa, eine der erhabenen Gattinnen des Propheten, überliefert seinen Rat an sie: „O Ḥafṣa, hüte dich vor vielem Reden! Denn viel Gerede, in dem Gott nicht erwähnt wird, lässt das Herz sterben. Deshalb rate ich dir, Gott viel zu gedenken, denn was das Herz lebendig macht, ist Sein Gedenken.“[7] In einer weiteren Überlieferung heißt es: „Schweigen ist Weisheit, doch nur wenige handeln entsprechend. Wer über Dinge redet, die ihn nichts angehen, begeht viele Fehler.“[8]

4. وَالَّذينَ هُمْ لِلزَّكٰوةِ فَاعِلُونَۙ

„Sie sind unablässig bemüht, die Zakat zu entrichten und sich selbst und ihr Vermögen zu läutern.“

Die Zekat ist das Recht des Armen am Vermögen des Reichen. Daher muss das Recht des Armen erfüllt werden. Ein Beduine kam und sagte: „O Gesandter Gottes, berichte mir über die Hidschra.“ Der Gesandte Gottes (F.s.m.i.) sagte: „Wehe dir, sie ist eine schwere Sache. Hast du Kamele?“ Der Mann antwortete: „Ja.“ Er fragte: „Entrichtest du ihre Zakat?“ Der Mann sagte: „Ja.“ Darauf sagte der Prophet: „Dann bleib in deiner entfernten Heimat und bemühe dich um gute Taten. Gott wird dir nichts von deinen Taten schmälern.“[9]

Vers 5–7:  “Die Gläubigen bemühen sich, ein reines Leben zu führen. Sie schützen ihre Keuschheit, ihre Ehre, Würde und sittliche Reinheit stets vor dem Verbotenen  und sie sollten dies immer tun.”

Vers 8.  „Sie bewahren gewissenhaft das ihnen Anvertraute (das entweder von Gott oder der Gesellschaft oder einem Einzelnen in ihre Obhut gegeben wird) und halten sich getreulich an die Abkommen (zwischen ihnen und Gott oder anderen Menschen oder der Gesellschaft).“

Über diesen Vers sagte der Gesandte Gottes (F.s.m.i.): “Übernehmt sechs Dinge für mich und führt sie aus, dann sichere ich euch das Paradies zu.” Als man fragte: “Welche sind das?”, sagte er: “Wenn einer von euch spricht, soll er nicht lügen; wenn er ein Versprechen gibt, soll er nicht davon abweichen; wenn ihm etwas anvertraut wird, soll er es nicht verraten. Hütet eure Blicke vor dem Verbotenen, haltet eure Hände fern vom Verbotenen und bewahrt eure Keuschheit.”[10]

Eigenschaften wie Treue zur anvertrauten Pflicht und das Einhalten des eigenen Wortes sind Wesensmerkmale der Gläubigen.

Vers 9: „Sie achten genau auf die regelmäßige Verrichtung ihrer Gebete (und dabei insbesondere auf die Regeln der Gebete).“

Ein Merkmal der Gläubigen ist es, ihre Gebete zur vorgeschriebenen Zeit und mit der Einhaltung ihrer Bedingungen zu verrichten. Das Hauptgebet ist die wichtigste Pflicht des Dieners. Es ist die erste rechtschaffene Tat, über die im Jenseits Rechenschaft abgelegt wird. Ebū Firās, der Diener des Gesandten Gottes (F.s.m.i) und einer der Leute der Suffa, sagte: “Ich blieb nachts beim Gesandten Gottes, brachte ihm sein Wasser für die Gebetswaschung und diente ihm bei seinen Bedürfnissen. Einmal sagte er zu mir: ‘Bitte mich um das, was du möchtest. ’ Ich sagte: ‘Ich wünsche mir, im Paradies mit dir zusammen zu sein. ’ Der Gesandte Gottes sagte: ‘Wünschst du dir nichts anderes?’ Ich erwiderte, dass dies mein einziger Wunsch sei. Darauf sagte er: ‘Dann hilf mir in dieser Sache, indem du viel betest und viel Niederwerfungen machst.’”[11]

Vers 10: “Diese (hervorragenden Menschen) sind die Erben,”

Vers 11. “Die die höchsten Stufen des Paradieses erben werden. Dort werden sie für immer verweilen.”

Der Gesandte Gottes (F.s.m.i.) sagte: اَلْعِبَادَةُ في الْهَرْجِ كَهِجْرَةٍ إليَّ “Gottesdienste in Zeiten von Chaos und Unruhen zu verrichten, ist wie eine Hidschra zu mir.”[12] 

Möge unser Herr uns zu denen machen, die diese Verse zu ihrem Lebensinhalt machen und uns im Paradies Firdews zusammenführen. Amin!


[1] Sunen et Tirmidhī, Tefsīr el Qurān 24

[2] Ḥākim et- Tirmidhī

[3] Eṭ Ṭaberānī, el Muʿdjam el Ewṣaṭ , Hadith Nr 4427

[4] Ebū Dawūd Ṣalāt 160-161

[5] Ebū Dawūd Ṣalāt 143-144

[6] Tirmidhī, Zuhd, 11

[7] Deylemī, Rāmūz el ʾEḥādīth

[8] Ebd.

[9] Bukhārī, Zakat 36

[10] Deylemī, Rāmūz el ʾEḥādīth

[11] Muslim, Ṣalāt 226

[12] Muslim, Fiten. 1301

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