Der Schutz der Umwelt

بِسْمِ اللّٰهِ الرَّحْمَنِ الرَّحِيمِ

ظَهَرَ الْفَسَادُ فِي الْبَرِّ وَالْبَحْرِ بِمَا كَسَبَتْ أَيْدِي النَّاسِ لِيُذِيقَهُمْ بَعْضَ الَّذِي عَمِلُوا لَعَلَّهُمْ يَرْجِعُونَ

„Verderbnis ist auf dem Land und auf dem Meer sichtbar geworden durch das, was die Hände der Menschen verursacht haben, damit Er sie einiges von dem kosten lässt, was sie getan haben – vielleicht kehren sie um.“[1]

Ehrenwerte Musliminnen und Muslime!

Das Thema unserer heutigen Predigt lautet: „Der Schutz der Umwelt“.

Der Koran hat, wie in allen anderen Angelegenheiten, auch für die Umwelt sowie für deren Schutz, Bewahrung, Gestaltung und die Weitergabe an kommende Generationen als anvertrautes Gut universelle Grundsätze aufgestellt. Bei einer ganzheitlichen Betrachtung des Korans wird deutlich, dass er gewissermaßen ein sprechendes Universum und eine geschriebene Natur ist. Deshalb wird zum Ausdruck gebracht, dass die Verfälschung der Natur ebenso sündhaft ist wie die Verfälschung der heiligen Bücher.

Dies verdeutlichen die folgenden Verse:

„Wahrlich, Wir haben alles nach Maß und im Gleichgewicht erschaffen.“[2]

„Und den Himmel hat Er emporgehoben und die Waage aufgestellt. So überschreitet nicht das Maß und stört nicht das Gleichgewicht!“[3]

Menschen, die dieses göttliche Gebot missachten, tragen den Schaden selbst.

Der Koran weist darauf hin, dass in der ökologischen Ordnung alles, ob groß oder klein, ein Zeichen für die Existenz Gottes ist, und sagt: „Gott scheut sich nicht, ein Gleichnis mit einer Mücke oder mit etwas darüber hinaus anzuführen …“[4] Indem Gott am Beispiel eines so kleinen Wesens wie der Mücke ein Gleichnis anführt, wird die Bedeutung auch der kleinsten Lebewesen hervorgehoben. Sie alle sind äußerst wertvolle Kunstwerke, die aus der Hand des erhabenen Schöpfers hervorgegangen sind, und enthalten für nachdenkliche Menschen tiefe Lehren.

Der Koran zählt sogar einen Hund, der dem Menschen Gesellschaft leistete und ihn begleitete, zu den Gefährten der Höhlenbewohner (Ashâb el-Kehf). Dies kann so verstanden werden, dass diesem Tier nicht als bloßem Objekt, sondern als einem Lebewesen mit eigenem Wert Bedeutung beigemessen wird. Die Kamelstute des Propheten Sālih (F.s.m.i), der Wiedehopf des Propheten Salomo (F.s.m.i) und seine Unterhaltung mit der Ameise sowie das Lobpreisen der Vögel gemeinsam mit dem Propheten David (F.s.m.i) bringen die höchste Form der Verbundenheit und Zusammenarbeit zwischen Mensch und Tier zum Ausdruck.

In diesem Zusammenhang betont der erhabene Koran mit folgendem Vers, dass auch die Tierarten Gemeinschaften wie die Menschen sind:

„Es gibt kein Tier auf der Erde und keinen Vogel, der mit seinen Flügeln fliegt, die nicht Gemeinschaften wie ihr wären …“[5] Der in diesem Vers verwendete Begriff „Gemeinschaft“ (Umma) weist darauf hin, dass Tiere ein unverzichtbarer Bestandteil des ökologischen Gleichgewichts sind.

Wenn wir bedenken, dass eine der Ursachen der Umweltprobleme im übermäßigen Konsum und in der Verschwendung liegt, wird die Bedeutung der folgenden Ermahnung des Korans an die Menschen noch deutlicher:

„Esst und trinkt, aber verschwendet nicht; denn Gott liebt die Verschwender gewiss nicht.“[6]

Der Koran vergleicht die Erde mit einer Wiege und betont, dass die Geschöpfe, die in dieser Wiege leben – Pflanzen, Tiere und alle anderen Lebewesen, ob belebt oder unbelebt –, gewissermaßen Geschwister sind. Er weist mit dem Vers „Er ist es, der die Erde für euch zu einer Wiege gemacht hat …“[7] darauf hin, dass das Universum als eine Wiege der Geschwisterlichkeit betrachtet werden soll.

Dadurch, dass Giftstoffe und Plastik, die in die Meere gelangen, welche zwei Drittel der Erdoberfläche ausmachen, in die Körper der Meereslebewesen – von Korallen bis zu Fischen – eindringen, sind in den Ökosystemen, deren Bestandteil diese Lebewesen sind, schwerwiegende Probleme entstanden. Der folgende Vers des Korans ist geradezu eine Warnung an die Menschheit, die Meere sauber zu halten:

„Und Er ist es, der euch das Meer dienstbar gemacht hat, damit ihr daraus frisches Fleisch essen könnt …“[8]

Der Gesandte Gottes (F.s.m.i) setzte den Grundsatz des Umweltschutzes mit einer für seine Zeit weit vorausgehenden prophetischen Weisheit in die Tat um. Er (F.s.m.i) sagte:

„Dieser Ort [Mekka] ist bis zum Tag der Auferstehung durch Gottes Gebot heilig. Niemandem, der an Gott und den Jüngsten Tag glaubt, ist es erlaubt, dort Blut zu vergießen. Sein Gras darf nicht ausgerissen und sein Wild darf nicht aufgeschreckt werden …“ [9]

Unser Prophet Muhammed (F.s.m.i) erklärte Medina und seine Umgebung zu einem Schutzgebiet und sagte:

„O Gott! So wie Abraham Mekka heilig gemacht hat, so erkläre auch ich das Gebiet zwischen seinen beiden Bergen für heilig …“[10]

Wenn man die Pilgerfahrt mit ihren umfassenden Bedeutungen und all ihren Weisheiten betrachtet, wird deutlich, dass die Hadsch auch eine ökologische Dimension besitzt. Menschen, die sich für die Pilgerfahrt oder die Umra in den Ihram-Zustand begeben, ist es verboten, innerhalb des heiligen Gebiets Tiere zu töten, Bäume zu fällen oder Pflanzen auszureißen. Im islamischen Recht werden diese verbotenen Handlungen als Vergehen betrachtet. Für die Vergebung dieser Sünde ist zwar Reue erforderlich, darüber hinaus ist es jedoch auch religiös vorgeschrieben, dass der Mensch eine Spende leistet.

Dies erinnert die Muslime geradezu daran, umweltbewusst zu handeln.

Der Prophet der Barmherzigkeit (F.s.m.i) lehrte nicht nur, allen Lebewesen gegenüber barmherzig zu sein, sondern zeigte dies auch durch sein eigenes Handeln. Den Tieren, die ihm dienten, gab er schöne Namen. Seine Kamelstute nannte er Kusva („die Voranschreitende“), sein als Geschenk erhaltenes Maultier Düldül („die den Weg Zeigende“) und seinen Reitesel Ufayr („der Graue, das kleine Reh“). Dies ist ein Ausdruck seiner vorbildlichen Haltung.

’Abdurrahmān ibn Sahr, von dem die meisten Überlieferungen über ihn stammen und der als einer der bedeutendsten Überlieferer von Hadithen gilt, wurde aufgrund seiner Haltung von Katzen und seiner Liebe zu ihnen mit dem Beinamen Ebu Huraira, also „Vater des Kätzchens“, bezeichnet. Auch dies ist ein weiterer Ausdruck seiner Liebe zu den Tieren.

Er sagte:

„Wer Barmherzigkeit erweist, dem wird auch Gott Barmherzigkeit erweisen. Seid barmherzig zu denen auf der Erde, damit auch diejenigen im Himmel euch Barmherzigkeit erweisen.“[11]

Unser Prophet Muhammed (F.s.m.i), der dazu ermutigte, unfruchtbare Gebiete durch das Pflanzen von Bäumen zu begrünen, wies mit folgenden Worten auf die Bedeutung des Bäumepflanzens hin:

„Wenn die Stunde der Auferstehung eintritt und jemand einen Setzling einer Dattelpalme in der Hand hält und ihn noch pflanzen kann, dann soll er ihn unverzüglich pflanzen.“[12]

Wenn ein Baum aus Notwendigkeit gefällt werden musste, empfahl er, an seiner Stelle einen neuen Baum zu pflanzen und dadurch das Gleichgewicht zu bewahren. Er sagte:

„Wer hier [außerhalb des heiligen Gebiets von Medina] einen Baum fällt, soll dafür einen Baum pflanzen.“[13]

Unser Prophet (F.s.m.i) erklärte, dass auch die Versorgung von Tieren und die Fürsorge für sie als Almosen gilt und bei Gott belohnt wird:

„Wenn ein Muslim einen Baum pflanzt oder eine Saat aussät und davon ein Vogel, ein Mensch oder irgendein Tier isst, so wird dies für ihn als Almosen angerechnet.“[14]

Seine Wertschätzung für die Umwelt beschränkte sich nicht nur auf Tiere und Pflanzen. Seine umfassende Barmherzigkeit schloss auch die Berge ein. Mit seinen Worten „Uhud liebt uns und wir lieben Uhud“ zeigte er auch gegenüber der unbelebten Natur Gefühle der Verbundenheit, Barmherzigkeit und des Schutzes.[15]

Unser Prophet Muhammed (F.s.m.i) befahl neben der Reinigung des Herzens von jeder Form des Götzendienstes auch, den Körper, die Kleidung und die Umgebung sauber zu halten, und sagte:

„Reinheit ist die Hälfte des Glaubens.“[16]

Dieser Hadith erinnert die Muslime in besonderer Weise daran, ihre Lebensumgebung – mit ihren Meeren, Bergen, Feldern, Gärten und Wäldern – sauber zu halten und sie nicht zu verschmutzen.

Es wird überliefert, dass Ebū Bekr (Gottes Wohlgefallen mit ihm) einem Heer, das in den Feldzug zog, mit folgenden Worten befahl, die Umwelt während militärischer Operationen nicht zu zerstören:

„Fällt keine fruchttragenden Bäume, verwandelt keine bewohnten Orte in Ruinen und verbrennt keine Dattelpalmen.“ [17]

Zusammenfassend lässt sich sagen: Die Verbote der Verschwendung, die Bewahrung des Gleichgewichts, der barmherzige Umgang mit allen Lebewesen und die maßvolle Nutzung der natürlichen Ressourcen sind wichtige Schritte zur Lösung der ökologischen Krise. Die Natur zu lieben, die Umwelt zu schützen und sie sauber zu halten, ist ein Gebot des Islam und zugleich eine notwendige Ausdrucksform des Bewusstseins, dass die uns vom Schöpfer anvertrauten Gaben eine Verantwortung darstellen.

Möge unser Herr uns zu Dienern machen, die die anvertraute Erde verschönern, für jede Gabe dankbar sind und der Natur mit Barmherzigkeit begegnen. Amīn!


[1] Sure er-Rūm 30:41

[2] Sure el-Qamer 54:49

[3] Sure er-Raḥmān 55: 7-8

[4] Sure el-Baqara 2:26

[5] Sure el- Enʿām 6:38

[6] Sure el- Aʾrāf 7:31

[7] Sure Ṭaha 20:53

[8] Sure en-Naḥl 16:14

[9] Bukhārī, Ḥadj 43

[10] Bukhārī, Feḍāʾil Medine 6

[11] Ebū Dawūd,  Edeb 88

[12] Bukhārī, Edeb el Mured

[13] El Bezzar, Futūḥ el Buldān,

[14] Muslim, Musaqāt 12

[15] Ṣaḥiḥ Muslim, 1393

[16] Muslim, Ṭahara 1

[17] Ṭaberi, Tārikh Ebū Ubeyd, Kitāb Emwāl

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