
بِسْمِ اللّٰهِ الرَّحْمَنِ الرَّحِيمِ
لَقَدْ كَانَ لَكُمْ في رَسُولِ اللّٰهِ اُسْوَةٌ حَسَنَةٌ لِمَنْ كَانَ يَرْجُوا اللّٰهَ وَالْيَوْمَ الْاٰخِرَ وَذَكَرَ اللّٰهَ كَثيرًا
„Ihr habt fürwahr im Gesandten Gottes ein ausgezeichnetes Vorbild, dem ihr folgen könnt, für jeden, der auf Gott hofft und auf den Jüngsten Tag und sich an Gott erinnert und Seiner häufig gedenkt.“
In einer Überlieferung unseres Propheten (F.s.m.i) heißt es:
أَدَّبَنِي ربِّي فأَحْسَنَ تَأْدِيبِي
„ Mein Herr hat mich erzogen und was meine Erziehung auf schönste Weise vollendet.“[1]
Ehrenwerte Musliminnen und Muslime!
Anlässlich der Tatsache, dass die Nacht vom kommenden Montag auf Dienstag die Nacht der Geburt unseres Propheten (F.s.m.i) ist, wird unsere heutige Predigt vom Charakter und den guten Umgangsformen unseres Propheten Muhammed (F.s.m.i.) handeln.
Derjenige, der den edlen Charakter in vollkommenster Weise gelebt und vorgelebt hat, ist zweifellos unser Prophet Muhammed (F.s.m.i.). Aus seinem Leben gibt es unzählige Schönheiten und viele Lehren, die jeder Mensch für sich mitnehmen kann.
Der Koran sagt über seinen Edlen Charakter:
وَاِنَّكَ لَعَلٰى خُلُقٍ عَظيمٍ
„Und wahrlich, du bist von erhabenem Charakter!“[2]
In diesem Sinne sind auch die edlen Charaktereigenschaften und das vorbildliche Verhalten unseres Propheten (F.s.m.i) in verschiedene Stufen unterteilt: Den Eigenschaften zu folgen, die den Rang einer Pflicht (Fard) haben, ist Pflicht; jenen im Rang von Soll-Aufgaben zu folgen, ist Wādjib; und jenen im Rang von Sunnah oder Mustehabb zu folgen, ist dementsprechend Sunnah bzw. Mustehabb.
In unseren Quellen werden über den Charakter und die guten Umgangsformen unseres Propheten Muhammed (F.s.m.i.) folgende Informationen überliefert:
Er besaß eine Seite an sich, die jeden faszinierte und zu ihm hinzog. Jeder, der ihn (F.s.m.i) näher kennenlernte, empfand für ihn mehr Zuneigung als zu seinen eigenen Kindern, Eltern und allen anderen geliebten Menschen. Er wurde gewissermaßen zu einer unverzichtbaren Person für sie, und sie wollten seine Gegenwart nicht mehr verlassen. In jeder Hinsicht vermittelte er seinem Umfeld Sicherheit und Vertrauen.
Neben seiner Eigenschaft, niemanden zu täuschen, gehörten seine beeindruckenden Strategien; dass er selbst angesichts der schwierigsten Ereignisse niemals „aufgab“; dass er dem Unglück mit einem Lächeln begegnete und aus den Prüfungen unzählige Lehren und Weisheiten zu gewinnen wusste; dass er angesichts von Unverschämtheiten, die Gewalt, Zorn und Wut hervorrufen konnten, äußerst ruhig und besonnen blieb – all dies sind nur einige der Eigenschaften, die seinen übermenschlichen Charakter widerspiegeln.
Innerhalb seiner Familie war er ein Familienoberhaupt ohnegleichen. Unter seinen Gefährten war er ein vollkommener geistiger Führer und Lehrer, der es hervorragend verstand, durch seine brüderliche Haltung die Herzen der Menschen zu gewinnen. Er war ein einzigartiger Wegweiser, der diejenigen hinter ihm niemals in die Irre führte oder enttäuschte. Er war ein außergewöhnlicher Staatsführer und ein Feldherr, der selbst aus Niederlagen Siege hervorgehen ließ.
Trotz all dieser Vollkommenheiten verhielt er sich stets wie ein einfacher Mensch und betrachtete sich selbst als einen Menschen unter den Menschen.
Er (F.s.m.i) lebte äußerst asketisch und verbrachte sein Leben in einer außergewöhnlichen Genügsamkeit, als hätte er gegenüber dieser Welt das Fasten gelobt. Er aß wenig und gab anderen zu essen; er trug wenig und gab anderen Kleidung; für einen einzigen Tropfen einer Gabe dankte er hundertfach und stand und saß stets mit einem tiefen Gefühl der Dankbarkeit.
Er (F.s.m.i) betrachtete die Welt mit einem Blick, der auf das Jenseits ausgerichtet war, und sah sie als den Acker des Jenseits. Er (F.s.m.i) säte, erntete und richtete alles, was er erlangte, auf das Jenseits aus. So wie die Winde die Samen nach allen Seiten tragen und ihrer Entfaltung anvertrauen, so verteilte auch er (F.s.m.i) großzügig, kümmerte sich um die Bedürftigen, gab den Hungrigen zu essen und ging selbst oft hungrig zu Bett und stand hungrig wieder auf.
Indem er (F.s.m.i) die große Ehrerbietung und den Respekt seiner Gefährten nicht in Anspruch nahm, saß er mit ihnen auf demselben Boden und aß mit ihnen an derselben Tafel. An manchen Stellen heiterte er (F.s.m.i) sie mit feinen Scherzen auf, die zugleich eine Lehre, eine Mahnung oder einen geistvollen Gedanken enthielten.
Er (F.s.m.i) war stets sanftmütig, ausgeglichen und besonnen. Selbst in Situationen, in denen Gefühle wie Hass, Abneigung und Zorn geweckt wurden, verhielt er (F.s.m.i) sich äußerst milde und wusste die Heftigkeit und den Zorn von Menschen, die vor Wut schäumten, auszugleichen. Solange kein allgemeines Recht verletzt und kein Frevel gegenüber dem Recht Gottes begangen wurde, verhielt er (F.s.m.i) sich nahezu überall vergebend und nachsichtig.
Es wurde kein einziges Mal beobachtet, dass er (F.s.m.i) sein Wort brach. Er (F.s.m.i) lebte stets als Sinnbild von Vertrauen und Treue. Selbst seine erbittertsten Feinde, die ihn (F.s.m.i) ständig genau beobachteten und nach einer Gelegenheit suchten, ihn zu überwältigen, haben ihm niemals eine Lüge vorgeworfen und konnten dies auch nicht tun.
Enes ibn Mālik beschreibt unseren Propheten Muhammed (F.s.m.i.) folgendermaßen:
„Wenn jemand ihn etwas fragte, hörte er ihm mit voller Aufmerksamkeit zu und entfernte sich nicht, bevor der Fragende gegangen war.“
Menschen, die ihn besuchten, erwies er Gastfreundschaft und breitete seinen Umhang auf dem Boden aus, damit sie darauf sitzen konnten.
Da er (F.s.m.i) selbst als Waise aufgewachsen war, wusste er, wie schwer das Leben eines Waisenkindes sein kann, und behandelte Waisen mit großer Barmherzigkeit. An einem Festtag sah er (F.s.m.i) ein Waisenkind abseits stehen, hungrig, elend und den Tränen nahe. Er (F.s.m.i) nahm das Kind zu sich, gab ihm zu essen, kleidete es ein und nahm es als sein eigenes Kind auf.
Wenn er (F.s.m.i) ein Kind sah, erfüllte Freude und Fröhlichkeit sein gesegnetes Gesicht. Er (F.s.m.i) nahm das Kind, hob es auf seine Arme und liebkoste es. Er (F.s.m.i) zeigte den Kindern seine Wertschätzung, indem er sie grüßte und sich nach ihrem Befinden erkundigte. Wann immer er (F.s.m.i) von einer Reise nach Medina zurückkehrte, befand sich stets ein Kind hinter ihm auf dem Kamel, auf dem er ritt. Manchmal nahm er Hasan auf ein Knie und Usāme auf das andere, drückte sie an seine Brust und betete: „O Gott, erweise diesen beiden Deine Barmherzigkeit.“
Das Wort „Elhamdulillah“ kam niemals von seinen gesegneten Lippen weg. Er betete bis zum Morgen. Wenn seine Ehefrau ihn fragte: „Warum fügst du dir selbst so viel Mühe und Anstrengung zu?“, antwortete er: „Soll ich denn kein dankbarer Diener meines Gottes sein?“
Wenn er (F.s.m.i) eine freudige Nachricht hörte, verrichtete er unverzüglich eine Niederwerfungsgebetsdankbarkeit. Wenn er (F.s.m.i) einen behinderten oder kranken Menschen sah, betete er für ihn und dankte Gott zugleich für die Gaben, die Gott ihm selbst geschenkt hatte.
Er (F.s.m.i) war zugleich ein Held der Geduld. Wenn wir sein Leben betrachten, sehen wir, dass er (F.s.m.i) bereits vor seiner Geburt seinen Vater, im Alter von sechs Jahren seine Mutter, im Alter von acht Jahren seinen Großvater und später im selben Jahr sowohl seine geliebte Ehefrau Hz. Khatīdsche als auch seinen Onkel Ebū Tālib verlor. Außer seiner Tochter Fatima musste er alle seine Kinder noch vor sich zu Grabe tragen. Er erlebte verschiedenste Schwierigkeiten, wurde beleidigt, litt Hunger und durchlebte Krankheiten. All dies nahm er (F.s.m.i) mit Geduld hin und sprach niemals darüber.
Er (F.s.m.i) hat in seinem gesamten Leben weder einer Frau, einem Kind noch irgendeinem anderen Menschen oder einem Tier Leid zugefügt.
Allein seine Haltung am Tag der Eroberung von Mekka genügt als deutliches Zeichen für seine vollkommene Persönlichkeit und seine Prophetenschaft, insbesondere hinsichtlich seiner Toleranz und Bescheidenheit. Denn er zog mit einer großen Armee in Mekka ein. Einst hatten die Bewohner von Mekka sie auf den Straßen Mekkas unter Blockade gesetzt und anschließend seine Onkel, die Söhne seiner Onkel und seine Freunde sowie diejenigen, die ihn (F.s.m.i) unterstützt hatten, getötet. Sie hatten seinen Gefährten jede Art von Folter zugefügt. Sie hatten ihn (F.s.m.i) selbst verletzt, ihn verschiedensten Repressionen ausgesetzt, ihn hungern und dürsten lassen, ihn mit Beleidigungen überschüttet und sich zu seiner Ermordung zusammengeschlossen.
Als er (F.s.m.i) in Mekka einmarschiert war und die Stadt unter seiner Herrschaft stand, hielt er zu ihnen eine Ansprache. Nachdem er (F.s.m.i) Gott gedankt und Ihn gepriesen hatte, sagte er: „Ich sage, was mein Bruder Yusuf gesagt hat: Heute gibt es keinen Vorwurf gegen euch. Möge Gott euch vergeben; denn Er ist der Barmherzigste der Barmherzigen.“[3]
Möge Gott uns mit dem Charakter unseres Propheten Muhammed (F.s.m.i.) charakterlich ausstatten und uns seiner Fürsprache teilhaftig werden. Amin!
[1] Munāwī , Feyz el Qadīr
[2] Sure Qalem 68:4
[3] Sure Yusuf 12:92