Der Glaube an die Engel

بِسْمِ اللّٰهِ الرَّحْمَنِ الرَّحِيمِ

…… وَلَكِنَّ الْبِرَّ مَنْ آمَنَ بِاللهِ وَالْيَوْمِ الآخِرِ وَالْمَلاَئِكَةِ وَالْكِتَابِ وَالنَّبِيِّينَ

„[…]fromm ist der, der an Gott und den Jüngsten Tag glaubt, an die Engel, die Bücher und die Propheten[…]“[1]


Verehrt Muslime! Unsere Predigt handelt vom Glauben an die Engel.

Einer der sechs Grundpfeiler des Glaubens ist der Glaube an die Engel. Doch wie bei den anderen Glaubensgrundlagen haben Mensch zu unserer Zeit auch in Bezug auf diese Glaubensgrundlage eine Erschütterung erlebt. Ja, diese Erschütterung ist sogar noch stärker gewesen als bei den anderen.

Das Wort Engel (Orig. Melek) bedeutet unter anderem „Nachrichtenüberbringer“, „Gesandter“ sowie „einsichtig, stark und kraftvoll“. In der islamischen Terminologie werden Engel als „sehr wertvolle Diener Gottes, die Seine Botschaft und Seine Befehle überbringen, Seine Anordnungen vollkommen erfüllen, sich niemals vom Gehorsam gegenüber Gott entfernen, verschiedene Gestalten annehmen können, mit den Sinnen nicht wahrnehmbar sind und aus Licht erschaffen wurden“ beschrieben.

Im Koran kommt das Wort in der Einzahl und Mehrzahl insgesamt an 88 Stellen vor.

Die Engel sind feine (Latīf) und lichtvolle Wesen, ähnlich wie die Seele. Sie besitzen bestimmte Aufgaben, die mit den Menschen in Verbindung stehen. Sie haben Verstand und die Fähigkeit zu sprechen, doch besitzen sie keine menschlichen Begierden und Bedürfnisse wie sinnliches Verlangen oder Zorn. Ebenso gibt es bei ihnen keine Eigenschaften wie Männlichkeit und Weiblichkeit, Geborenwerden und Gebären, Jugend und Alter, Essen und Trinken, Schlafen oder Ermüden. Sie preisen und gedenken unaufhörlich Gott, dem Erhabenen, und sind im Himmel und auf Erden mit verschiedenen Aufgaben beschäftigt.

Auch die Nahrung der Engel ist geistiger Natur. Sie empfinden Genuss an Gottesgedenken (Dhikr) und Lobpreisung Gottes. Im Gottesdienst gegenüber Gott verfallen sie weder einem Gefühl der Überheblichkeit, noch werden sie müde oder erschöpft:

„[…] Und jene (die Engel) die bei Ihm sind, verschmähen niemals, Ihm zu dienen, noch werden sie je dessen überdrüssig. Sie rühmen Ihn bei Nacht und bei Tag (indem sie verkünden, dass Er hoch erhaben ist über jegliche Mängel oder das Bedürfnis nach Teilhabern oder danach, Sinnloses zu tun) und zeigen dabei niemals Müdigkeit und lassen nie in ihrem Eifer nach”[1]

Außerdem sind die Engel aufgrund ihrer ihnen eigenen feinstofflichen und lichtvollen Beschaffenheit Wesen, deren Art der Bewegung und des Durchdringens äußerst schnell und vollkommen ist. Im Kur’ān wird in Bezug auf diese Eigenschaft Folgendes gesagt: „Die Engel und der Geist steigen (damit) zu Ihm auf in einem Tag, dessen Dauer fünfzigtausend Jahre (von euren normalen weltlichen Jahren) beträgt.“[2]

Da Engel keine materielle Beschaffenheit besitzen, die mit den fünf grundlegenden Sinnesorganen, also Auge, Ohr, Nase, Zunge und Tastsinn, wahrgenommen werden könnte, können wir sie nicht sehen. Engel sind metaphysische Wesen, die der Welt des Verborgenen angehören. Auch heute gibt es viele Dinge, deren Existenz wissenschaftlich nachgewiesen ist oder deren Wirkung wahrgenommen wird, obwohl wir sie mit bloßem Auge nicht sehen können.

So wie es auf unserem Planeten, der im Universum nur einen sehr kleinen Raum einnimmt, Tausende Arten von Leben und Lebensformen gibt, so gibt es auch auf Sternen, Planeten und in Systemen, die viel größer sind als die Erde, ihren jeweiligen Bedingungen entsprechende lebendige und bewusste Bewohner. Diese Wesen, die sehr unterschiedlichen Gattungen angehören, werden in der Religion „Engel und geistige Wesen“ genannt. Man kann sagen: Die Existenz der Engel und geistigen Wesen ist ebenso gewiss wie die Existenz der Menschen und Tiere.

Alle Propheten haben in der Botschaft, die sie brachten, die Existenz der Engel mitgeteilt. In allen offenbarten Religionen gibt es den Glauben an die Engel. Im Koran finden sich zahlreiche Verse über die Existenz und die Eigenschaften der Engel.

Auch unser Prophet (F.s.m.i), der sein ganzes Leben lang niemals gelogen hat, sprach in vielen Hadithen über die Engel, über ihre Eigenschaften und darüber, dass er sie zuweilen gesehen hat. Manchmal wurden auch seine Gefährten Zeugen solcher Ereignisse, wie etwa im bekannten Hadith von Dschibrīl.[3]

Der edle Kur’ān spricht zu uns über die Engel und erwähnt den Glauben an ihre Existenz unter den Glaubensgrundlagen: 

„Der Gesandte glaubt an das, was ihm von seinem Herrn herabgesandt worden ist, und ebenso die Gläubigen. Sie alle glauben an Gott und Seine Engel, Seine Bücher und Seine Gesandten.“[4]

Und an einer anderen Stelle heißt es:

„Wer immer nicht an Gott glaubt und an Seine Engel und Seine Bücher und Seine Gesandten und an den Jüngsten Tag, der ist fürwahr weit in die Irre gegangen.“[5]

Unser Prophet (F.s.m.i) teilt in einem edlen Hadith mit, dass die Dschinn und die Satane aus Feuer, der Prophet Adam (F.s.m.i) aus Erde beziehungsweise Lehm und die Engel aus Licht erschaffen wurden.[6]

Nach den islamischen Gelehrten stehen die unter den Menschen ausgewählten Propheten über allen Engeln. Zugleich werden die führenden Engel als höher eingestuft als alle Menschen mit Ausnahme der Propheten. Gottesfürchtige Gläubige und Märtyrer gelten als höher als die übrigen Engel, während die übrigen Engel wiederum höher stehen als ungläubige und sündige Menschen.

Die Arten und die Anzahl der Engel kennt niemand außer Gott. Ausgehend von den Versen und Hadithen kennen wir manche Engel mit ihren Namen und ihren Aufgaben. In diesem Zusammenhang können wir die Engel hinsichtlich ihrer grundlegenden Aufgaben in folgende Gruppen einteilen:

Die vier großen Engel

Gabriel (Dschibrīl): An der Spitze dieser Engel steht Dschibrīl (a.s). Seine Aufgabe besteht darin, die göttliche Offenbarung den Propheten zu überbringen. Aus diesem Grund wird er auch der Engel der Offenbarung genannt. Außerdem wird er in den Versen mit Bezeichnungen wie „der Geist“, „der edle Gesandte“, „der Gesandte deines Herrn“, „Der Vertrauenswürdige Geist (Rūḥ el-Emīn)“ und „Rūḥ al-Qudus“ erwähnt.

Azrāʾīl (a.s): Er ist damit beauftragt, die Seelen der Menschen zu nehmen und sie aus den Körpern herauszuziehen. Er wird auch “Melek el-Mewt”, also Todesengel, genannt.

Mīkāʾīl (a.s): Er wurde von Gott als Mittel für die Verwaltung der Ereignisse im Universum und der Versorgung der Geschöpfe eingesetzt. Er ist der Engel, der damit beschäftigt ist, die Versorgung zu ihren Empfängern gelangen zu lassen und Naturereignisse wie Regen und Wind gemäß dem Willen Gottes zu ordnen.

Isrāfīl (a.s): Er ist der Engel, der damit beauftragt ist, in die Posaune, zu blasen und damit den Zeitpunkt des Weltuntergangs anzukündigen. Nachdem der Weltuntergang eingetreten, das Universum zerstört und alle Lebewesen gestorben sind, wird Isrāfīl ein zweites Mal in die Posaune blasen. Durch dieses Blasen werden die Menschen wieder zum Leben erweckt, aus ihren Gräbern auferstehen und auf dem Mahschar Platz versammelt werden.

Kirāmen Kātibīn Engel

Kirāmen Kātibīn: was „ehrenwerte Schreiber“ bedeutet, sind die Engel, die sich zur Rechten und zur Linken des Menschen befinden und all seine guten wie schlechten Worte und Taten aufzeichnen. Diese Engel werden am Tag der Auferstehung während der Abrechnung auch Zeugnis über die vollbrachten Taten ablegen.

Die Muqarrabūn: Diese Engel, die auch als ʿIlliyyūn und Karūbiyyūn bezeichnet werden, sind damit beauftragt, Gott zu preisen und Seiner zu gedenken. Sie befinden sich in besonderer Nähe zu Ihm und nehmen bei Ihm eine ehrenvolle Stellung ein.[7]

Die Hamele-i ArschDies ist die Bezeichnung für die Engel, die den Thron tragen. Im Kur’ān heißt es über sie:

„Diejenigen, die den Thron tragen, und diejenigen, die ihn umgeben, preisen ihren Herrn mit Lobpreisung, glauben an Ihn …“[8]

Munker und Nekīr: Dies sind zwei Engel, die nach dem Tod im Grab mit der Befragung beauftragt sind. Die Namen Munker und Nekīr bedeuten „unbekannt, nicht erkannt, befremdlich“. Sie erhielten diese Bezeichnung, weil sie dem Menschen im Grab in einer Gestalt erscheinen, die er zuvor nie gesehen hat. Diese beiden Engel stellen den Verstorbenen im Grab Fragen wie: „Wer ist dein Herr?“, „Wer ist dein Prophet?“ und „Was ist dein Buch?“Entsprechend den Antworten, die der Mensch gibt, behandeln sie ihn.[9]

In den Hadithen wird außerdem auf verschiedene Engel hingewiesen: auf den Engel, der dem Herzen des Menschen das Richtige und Wahre eingibt; auf die Engel, die gemeinsam mit den Betenden am Ende der Sure el-Fātiha „Āmīn“ sagen; auf die Engel, die jeden Tag beim Morgen und Nachmittagsgebet mit den Gläubigen zusammen sind; auf die Engel, die herabsteigen, wenn der Koran rezitiert wird; auf die Engel, die Versammlungen des Wissens und des Gottesgedenken aufsuchen; sowie auf die Engel, die für die Gläubigen Bittgebete sprechen und um Vergebung bitten.[10]

Möge Gott, der Erhabene, uns zu jenen Dienern machen, für die die Engel Bittgebete sprechen und die von den Engeln geliebt werden. Amīn!


[1] Sure el-‘Enbiyā; 21:19-20
[2] Sure el-Me’āridj; 70:4
[3] Muslim, Zuhd, 60; Bukhārī, Īmān, 37; Muslim, Īmān, 1, 5
[4] Sura al-Baqara, 2/285
[5] Sura an-Nisā, 4/136
[6] Muslim, Zuhd, 10
[7] Sura an-Nisā, 4/172
[8] Sure el-Muʾmin, 40/7; Sure el-Hāqqa, 69/17
[9] Tirmidhī, Dschanāʾiz, 70; Musned, 3/126
[10] Tirmidhī, Tefsīr, 3; Bukhārī, Edhān, 11; Bukhārī, Mewāqīt, 16; Bukhārī, Feḍāʾil el-Qur’ān, 15; Bukhārī, Deʿawāt, 66; Tirmidhī, ʿIlm, 19

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