
بسم الله الرحمن الرحيم
وَاِذَا حُيّٖيتُمْ بِتَحِيَّةٍ فَحَيُّوا بِاَحْسَنَ مِنْهَٓا اَوْ رُدُّوهَاؕ اِنَّ اللّٰهَ كَانَ عَلٰى كُلِّ شَيْءٍ حَسٖيباً
„Wenn ihr mit einem Grußwort (des Friedens und des guten Willens) begrüßt werdet, dann grüßt mit einem noch schöneren zurück, oder erwidert es (zumindest). Gott nimmt für alles Rechenschaft entgegen“ [1]
يَا أَيُّهَا النَّاسُ أَفْشُوا السَّلَامَ وَأَطْعِمُوا الطَّعَامَ وَصِلُوا الْأَرْحَامَ وَصَلُّوا بِاللَّيْلِ وَالنَّاسُ نِيَامٌ تَدْخُلُوا الْجَنَّةَ بِسَلَامٍ
„O ihr Menschen! Verbreitet den Frieden unter euch, speist (andere), pflegt die Verwandtschaftsbande und verrichtet das Gebet in der Nacht, während die Menschen schlafen – so werdet ihr in Frieden ins Paradies eintreten.“ [2]
Verehrte Muslime! Unsere Predigt handelt vom Friedensgruß (Selām).
Das Wort „Selām“ gehört zu den schönen Namen Gottes (Esmāʾ el-Ḥusnā) und bedeutet: frei von Fehlern und Mängeln zu sein, Sicherheit vor Angst und Sorge zu erlangen sowie in Frieden und Geborgenheit zu leben.
Der Friedensgruß „es-Selāmu ’aleykum“, den ein Gläubiger zu einem anderen richtet, ist in Wirklichkeit ein Bittgebet mit folgender Absicht: „Möge Gottes Frieden auf dir sein; möge Er dich vor jeglichem Unheil und Unglück bewahren; mögest du in Frieden leben und in Sicherheit und Geborgenheit ins Paradies eintreten.“
Und wenn der andere mit „Ve ’aleykum es-selâm ve rahmetullahi ve berakātuh“ antwortet, so erwidert er dies mit edlen Empfindungen wie: „Möge Gottes Frieden, Seine Barmherzigkeit und Sein Segen auch mit dir sein; möge Gott dir ein Vielfaches von dem gewähren, was du mir gewünscht hast.“
Dieses Wort gehört zugleich zu den schönsten Worten des Paradieses. Das erhabenste Wort, das die Gläubigen dort vernehmen werden, ist der „Selam“ also Frieden ihres Barmherzigen-Herrn.
Im Koran heißt es in der Sure Yā Sīn: سَلَامٌ قَوْلًا مِنْ رَبٍّ رَحِيمٍ „Frieden – ein Wort von einem barmherzigen Herrn.“[3]
Dieser Vers bringt genau dies zum Ausdruck.
Des Weiteren beschreibt der edle Koran den Empfang der Bewohner des Paradieses und wie die Engel zu ihnen sagen: سَلَامٌ عَلَيْكُمْ طِبْتُمْ فَادْخُلُوهَا خَالِدِينَ „Friede sei mit euch! Ihr habt Gutes getan und seid rein geworden. So tretet ein, um darin ewig zu verweilen!“[4]
So erinnert beinahe jeder Friedensgruß daran, wie die Engel die Gläubigen in der Heimstätte des Friedens empfangen.
Wie bereits in dem zu Beginn unserer Predigt verlesenen Vers und in weiteren Versen geboten wird, sollen Muslime stets menschlich und von Höflichkeit geprägt handeln.
Demjenigen, der den Friedensgruß ausspricht, soll mit noch mehr Herzlichkeit, noch schöneren Worten und zusätzlichen guten Wünschen geantwortet werden – mindestens jedoch in gleicher Weise.
Imrān b. Ḥuṣayn (Gott habe Wohlgefallen an ihm) berichtet im Zusammenhang mit der Tugend, den Friedensgruß zu vermehren, von folgendem Ereignis, das er beim Gesandten Gottes (F.s.m.i) miterlebt hat:
“Ein Mann kam zum Propheten (F.s.m.i) und sagte: „Es-selāmu ’aleykum.“ Der Gesandte Gottes (F.s.m.i) erwiderte den Gruß in gleicher Weise. Der Mann setzte sich, und der Prophet (F.s.m.i) sagte: „Er hat zehn jenseitige Belohnungen erlangt.“
Dann kam ein anderer und sagte: „Es-selāmu ’aleykum ve rahmetullah.“ Wieder erwiderte der Gesandte Gottes (F.s.m.i) den Gruß entsprechend. Der Mann setzte sich, und er sagte: „Er hat zwanzig jenseitige Belohnungen erlangt.“
Schließlich kam ein dritter und sagte: „Es-selāmu ’aleykum ve rahmetullahi ve berekātuh.“
Der Gesandte Gottes (F.s.m.i) erwiderte erneut in gleicher Weise. Der Mann setzte sich, und er sagte: „Er hat dreißig jenseitige Belohnungen erlangt.“[5]
Der Gesandte Gottes (F.s.m.i) hat in vielen Hadithen die Bedeutung des Friedensgrußes und seine Verbreitung hervorgehoben. So sagte er (F.s.m.i): „Ihr werdet nicht ins Paradies eintreten, solange ihr nicht glaubt; und ihr werdet keinen vollkommenen Glauben besitzen, solange ihr euch nicht liebt. Soll ich euch auf etwas hinweisen, das – wenn ihr es tut – Liebe unter euch entstehen lässt? Verbreitet den Friedensgruß unter euch!“[6]
Mit den Worten ruft uns der Prophet (F.s.m.i) dazu auf, den Friedensgruß zu verbreiten, überall Sicherheit und Vertrauen zu vermitteln, jedem Menschen – ob bekannt oder unbekannt – den Friedensgruß zu geben und ihn zu einer festen Gewohnheit werden zu lassen, die wir niemals aufgeben.
Im alltäglichen Sprachgebrauch verwendete Ausdrücke wie „Guten Morgen“, „Guten Tag“, „Guten Abend“ und „Gute Nacht“ können ebenfalls dazu beitragen, Herzen zu gewinnen. Solche Grüße sind allemal besser, als jemanden zu übergehen und wortlos weiterzugehen, als würde man ihn gar nicht beachten.
Begegnen wir Menschen, die eine andere Sprache sprechen oder in einer anderen Kultur leben, so ist es sowohl eine menschliche als auch eine religiöse Verantwortung, sie in der Sprache zu grüßen, die sie verstehen. Darauf zu achten ist eine Pflicht für uns alle.
Doch keines dieser Worte, die wir zur Begrüßung verwenden, trägt eine so tiefe Bedeutung wie „Es-selāmu ’aleykum“ und kann den Friedensgruß in seiner eigentlichen Tiefe ersetzen.
Einige Erinnerungen zum Friedensgruß:
- Der Gesandte Gottes (F.s.m.i) betonte, dass der Friedensgruß nicht nur außerhalb, sondern auch im eigenen Zuhause gepflegt werden soll. Zu Enes ibn Mālik (Gott habe Wohlgefallen an ihm), den er großgezogen hatte, sagte er (F.s.m.i):
„Wenn du das Haus betrittst, so grüße mit dem Friedensgruß, damit Segen über dich und deine Familie komme.“[7]
- Auch gemäß dem Vers: „Wenn ihr eure Häuser betretet, so grüßt einander mit einem von Gott kommenden, gesegneten und guten Wunsch“[8], sollen wir, wenn wir nach Hause kommen, sowohl uns selbst als auch den Anwesenden den Friedensgruß geben.
Ebenso kann beim Zubettgehen am Abend und beim Aufstehen am Morgen innerhalb des Hauses gegenseitig der Friedensgruß gegeben und erwidert werden. Für die Mitglieder einer Familie und einer Gemeinschaft gibt es kaum einen schöneren Wunsch, den sie einander aussprechen könnten.
Die Anweisung und Weisung des Gesandten Gottes (F.s.m.i) bezüglich des Friedensgrußes lautet wie folgt:
„Die Jüngeren grüßen die Älteren; die Reitenden (ob auf einem Tier oder im Fahrzeug) grüßen die Fußgänger; die Gehenden grüßen die Sitzenden; diejenigen, die von hinten kommen und aufschließen, grüßen die Vorausgehenden; und wenn zwei Gruppen aufeinandertreffen, grüßt die kleinere die größere zuerst.“[9]
Beim Betreten einer Versammlung wird der Friedensgruß gegeben. Wenn einer der Anwesenden den Friedensgruß erwidert, entfällt diese Pflicht für die anderen.[10]
Andernfalls tragen alle die Verantwortung, da das Geben des Friedensgrußes eine Sunna ist, seine Erwiderung hingegen verpflichtend (farḍ).
Aus dem Hadith „Wahrlich, der Beste unter den Menschen bei Gott ist derjenige, der zuerst den Friedensgruß gibt“[11] wird deutlich, dass es besonders verdienstvoll ist, beim Grüßen voranzugehen.
Der Friedensgruß soll in Situationen, in denen er nicht erwidert werden kann, nicht ausgesprochen werden. Dazu gehören etwa Personen, die den Koran rezitieren, der Predigt zuhören, das Gebet verrichten, essen oder so krank sind, dass sie nicht antworten können.
Nach islamischer Tugend soll auch beim Verlassen einer Gruppe der Friedensgruß gegeben werden – und zwar von demjenigen, der sich verabschiedet.[12]
Wie aus den Versen und Hadithen hervorgeht, ist der Friedensgruß eines der wichtigsten Mittel, um den Groll und die Abneigung in den Herzen der Menschen zu schmelzen, bestehende Distanz zu überwinden und eine innere Wärme entstehen zu lassen.
Lasst uns daher dem Grüßen mit jenem tiefen Gehalt, den der Koran lehrt, besondere Bedeutung beimessen. Wer weiß – vielleicht öffnen sich uns im Jenseits Tore der Sicherheit, wenn wir auf den Straßen und Märkten den Menschen Frieden und Vertrauen zusprechen.
Möglicherweise erwidern auf unseren einen Friedensgruß hin Hunderte von Engeln mit den Worten: „Friede sei auch auf euch“, und sprechen Bittgebete für uns.
Möge unser Herr uns zu jenen Seinen Dienern zählen, die im Reich des Friedens mit dem Friedensgruß empfangen werden. Amin!
[1] Sure en-Nisā; 4:86
[2] Ibn Mādje, eṭʿime, 1; Dārimī, Ṣalāt, 156
[3] Sure Yā Sīn; 36:58
[4] Sure ez-Zumer; 39:73
[5] Ebū Dāwūd, Ādab, 143; Tirmidhī, Istiʾzān, 2
[6] Muslim, Īmān, 93
[7] Tirmidhī, Istiʾzān, 20
[8] Sure en-Nūr, 61
[9] Bukhārī, Istiʾzān, 4–7; Muslim, Selām, 1
[10] Ebū Dāwūd, Ādab, 141
[11] Abū Dāwūd, Adab, 133
[12] Abū Dāwūd, Adab, 139