Den Ramadan intensiv erleben


بسم الله الرحمن الرحيم

يَٓا اَيُّهَا الَّذ۪ينَ اٰمَنُوا كُتِبَ عَلَيْكُمُ الصِّيَامُ كَمَا كُتِبَ عَلَى الَّذ۪ينَ مِنْ قَبْلِكُمْ لَعَلَّكُمْ تَتَّقُونَۙ

„O ihr, die ihr glaubt! Das Fasten ist euch vorgeschrieben, so wie es denen vorgeschrieben war, die vor euch waren, damit ihr Gottes Schutz (vor der Versuchung durch körperliche Begierden) verdient und Gottesfürchtigkeit erlangt.“[1]

In einer Überlieferung unseres Propheten (F.s.m.i) heißt es:

مَنْ صامَ رَمَضانَ إيمانًا واحْتِسابًا غُفِرَ لَهُ مَا تَقَدَّمَ مِنْ ذَنْبِهِ

„Wer aus reinem Glauben und in der Hoffnung auf den Lohn Gottes das Ramadan-Fasten hält, dem werden seine vergangenen Sünden vergeben.“[2]

Ehrenwerte Musliminnen und Muslime!

Gott allein gebührt der Dank, dass wir den Monat Ramadan erreicht haben, dessen jeder Augenblick sehr wertvoll ist. Unser Prophet (F.s.m.i) sprach an einem letzten  Tag vom Monat Schaʿbān wie folgt zu den Menschen: „O ihr Menschen! Der Schatten eines gewaltigen und gesegneten Monats ist über euch gefallen. In diesem Monat gibt es eine Nacht, die gesegneter ist als tausend Monate. Gott hat das Fasten in diesem Monat zur Pflicht gemacht und das nächtliche Gebet (Terāwīḥ) als freiwillig bestimmt. Wer in diesem Monat eine Wohltat verrichtet, ist wie jemand, der in anderen Monaten eine Kernaufgabe (Farḍ) erfüllt. Wer in diesem Monat eine Kernaufgabe erfüllt, ist wie jemand, der in anderen Monaten siebzig Kernaufgaben erfüllt. Es ist der Monat der Geduld, und der Lohn der Geduld ist das Paradies. Es ist der Monat der Hilfsbereitschaft. In diesem Monat wird der Unterhalt des Gläubigen vermehrt. Wer in diesem Monat einem Fastenden das Fastenbrechen ermöglicht, dem dient dies zur Vergebung seiner Sünden und zur Errettung vor dem Höllenfeuer.“

Als die Gefährten sagten: „O Gesandter Gottes! Nicht jeder von uns findet etwas, womit er einem Fastenden das Brechen ermöglichen kann“ , antwortete unser Prophet (F.s.m.i): „Gott schenkt diesen Lohn auch demjenigen, der einem Fastenden nur eine trockene Dattel, einen Schluck Wasser oder einen Schluck Milch zum Fastenbrechen reicht. Dies ist ein Monat, dessen Anfang Barmherzigkeit, dessen Mitte Vergebung und dessen Ende die Errettung vor dem Höllenfeuer ist. Wer in diesem Monat die Last seiner Untergebenen erleichtert, den wird Gott begnadigen.“[3]

In einem weiteren Hadith heißt es: „Der Schlaf des Fastenden gilt als Gottesdienst, sein Schweigen als Lobpreisung. Seine guten Taten werden vielfach belohnt. Sein Gebet wird von Gott angenommen und seine Sünden werden vergeben.“[4]

Der Ramadan ist ein neuer Meilenstein für die Dienerschaft. Jeder Muslim sollte versuchen, durch Fasten, Koran-Rezitation und das Terāwīḥ-Gebet Gott näherzukommen.

Die Bedeutung des Terāwīḥ-Gebets

Wie bekannt, leitete der Prophet (F.s.m.i) seinen Gefährten einige Nächte lang das Terāwīḥ-Gebet in der Moschee. Doch aus Sorge, dass es zur Kernaufgabe werden könnte, verrichtete er es nicht mehr gemeinsam mit der Gemeinde, sondern allein in seinem Zimmer. Wir wissen nicht, mit wie vielen Einheiten er in seinem Zimmer gebetet hat und wir wissen auch nicht, wie viel er aus dem Koran dabei rezitiert hat.

Unser Prophet (F.s.m.i) ging eines Nachts im Ramadan in die Moschee und als er Menschen sah, die an einer Seite der Moschee beteten, fragte er: „Was machen die denn?“  Einer der Anwesenden antwortete: „Das sind Menschen, die nicht den gesamten Koran auswendig gelernt haben, also keine Ḥāfiẓ sind, und Ubeyy ibn Ke’ab lässt sie mit Hatim (Gesamtlesung des Korans) beten.“ Unser Prophet (F.s.m.i) zeigte sich erfreut und sagte: „Sie haben das Richtige getan, wie schön ist doch das, was sie tun!“, und drückte damit seine Zufriedenheit und Anerkennung aus.[5]

Unsere Mutter ʿAisha (Gottes Wohlgefallen mit ihr) berichtete: Der Prophet (F.s.m.i) ermutigte die Menschen, die Nächte im Ramadan mit Terāwīḥ-Gebeten zu verbringen, und sagte: „Gott hat das Fasten im Ramadan zur Pflicht gemacht. Das Beten in den Nächten des Ramadan ist meine Sunna. Wer mit Glauben und in der Hoffnung auf Gottes Belohnung aufrichtig fastet und nachts das Terāwīḥ-Gebet verrichtet, wird von seinen Sünden gereinigt wie am Tag seiner Geburt.“[6]

Das Terāwīḥ-Gebet ist eine Sunna unseres Propheten (F.s.m.i) und durch den Konsens der Umma gefestigt. Seit der Zeit von ʿUmar (Gottes Wohlgefallen mit ihm) wird es weiterhin in der Gemeinschaft verrichtet und wurde bis heute nach dem Nachtgebet als eine stark empfohlene Sunna praktiziert.

Jeder Schritt, der getan wird, und jedes Rad, das sich dreht, um die Gebete in der Gemeinschaft zu verrichten, bringt Lohn ein und löscht eine Sünde aus. Der Gesandte Gottes (F.s.m.i) sagte: „Wenn jemand zu Hause die Gebetswaschung sorgfältig vollzieht und dann in eines der Häuser Gottes geht, um eine der Kernaufgaben, die Gott auferlegt hat zu erfüllen, tilgt jeder seiner Schritte eine Sünde und der andere Schritt erhöht ihn um eine Stufe.“[7]

Für Muslime, deren Möglichkeiten und Bedingungen es zulassen, ist es eine sehr tugendhafte Tat, das Terāwīḥ-Gebet mit einer vollständigen Rezitation des Korans zu verrichten, da sie dadurch großen Lohn erlangen. Wir sehen in unseren Quellen, dass die Gefährten des Propheten (F.s.m.i), die unter seiner Unterweisung aufwuchsen, darauf achteten, dieses Gebet mit einer vollständigen Koran-Rezitation zu verrichten, sei es in der Gemeinschaft oder allein.

Eigentlich werden für dieses freiwillige Gebet in der Nacht, wenn sie in einer akzeptablen Weise verrichtet werden, mindestens 45 Minuten benötigt. Ein Terāwīḥ-Gebet mit vollständiger Koran-Rezitation dauert hingegen durchschnittlich 1 Stunde und 15 Minuten. Der Unterschied beträgt nur etwa 30 Minuten. Für ein so tugendhaftes Gebet ist eine halbe Stunde nicht viel.

Ausgenommen vom Hauptgebet oder Wadjib-Gebet, haben Imam Ebū Yūsuf, Imam Schāfiʿī, Imam Mālik und Ahmed Ibn Ḥanbel bei freiwilligen Gebeten die Erlaubnis gegeben, direkt vom Koran abzulesen.[8]

Zeqwān (Gottes Wohlgefallen mit ihm) der im Dienste unserer Mutter Aischa (Gottes Wohlgefallen mit ihr) stand, leitete sie im Monat Ramadan beim Terāwīḥ-Gebet mit einer vollständigen Koran-Rezitation an, indem er direkt aus dem Koran las.[9]

Basierend auf all dem können wir sagen, dass auch diejenigen, die den Koran nicht komplett auswendig können, das Terāwīḥ-Gebet verrichten oder leiten können, indem sie direkt in den Koran schauen und daraus rezitieren.

Wenn unsere Häuser geeignet sind, wird empfohlen, den Koran mit lauter Stimme langsam und deutlich zu rezitieren. Nehmen wir uns Zeit für Übersetzungen des Korans  und der Exegese. Denn der Koran ist das größte Geschenk der Barmherzigkeit Gottes an den menschlichen Verstand.

Möge Gott es uns ermöglichen, den Ramadan auf beste Art und Weise zu verbringen. Amin.


[1] Sure el Baqara 2:183

[2] Bukhārī ‚ ʾīmān, 28

[3] El Mundhirī, et-Terġīb 2/94-95

[4] Kenz el ʿUmmāl, 3/327

[5] Ebū Dawūd , Ramadan 1

[6] Ibn Madje, Iqāme, 173

[7] Muslim, Mesādjid, 282

[8] Ṭahawī, Mukhtaṣar el ʾIkhtilāf el ʿUlemā 1/208

[9] Seḥnūn, el Mudewene 1/224

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