Bereitwilliges geben (infāq) im Ramadan


بسم الله الرحمن الرحيم

أُوْلَـئِكَ هُمُ الْمُؤْمِنُونَ حَقّاً لَّهُمْ دَرَجَاتٌ عِندَ
الَّذِينَ يُقِيمُونَ الصَّلاَةَ وَمِمَّا رَزَقْنَاهُمْ يُنفِقُونَ {3}
وَمَغْفِرَةٌ وَرِزْقٌ كَرِيمٌ{4}

“Sie verrichten das Gebet in Übereinstimmung mit seinen Vorschriften, und von dem, womit immer Wir sie versorgt haben (sei es Reichtum, Wissen, Macht und so weiter), spenden sie (um für die Bedürftigen zu sorgen und für die Sache Gottes, nur um Gottes Wohlgefallen zu erlangen und ohne anderen dadurch eine Dankesschuld aufzuerlegen). 

Diese (Vorzüglichen) sind es, die wahre Gläubige sind. Sie nehmen Rangstufen bei ihrem Herrn ein (die ihnen eine nach der anderen gewährt werden), und für sie ist Vergebung (die ihnen unvorhergesehenen Segen bringt) und eine großzügige, ehrenvolle Versorgung.” [1]


Ehrenwerte Musliminnen und Muslime!

“Sie verrichten das Gebet in Übereinstimmung mit seinen Vorschriften, und von dem, womit immer Wir sie versorgt haben (sei es Reichtum, Wissen, Macht und so weiter), spenden sie (um für die Bedürftigen zu sorgen und für die Sache Gottes, nur um Gottes Wohlgefallen zu erlangen und ohne anderen dadurch eine Dankesschuld aufzuerlegen). 

Diese (Vorzüglichen) sind es, die wahre Gläubige sind. Sie nehmen Rangstufen bei ihrem Herrn ein (die ihnen eine nach der anderen gewährt werden), und für sie ist Vergebung (die ihnen unvorhergesehenen Segen bringt) und eine großzügige, ehrenvolle Versorgung.”[1]

Ehrenwerte Musliminnen und Muslime! Unsere heutige Predigt handelt vom bereitwilligen Geben und von der Schöpfergabe (ṣadeqa el fiṭr).

Das bereitwillige Geben (Infāq) ist einer der Begriffe mit der weitreichendsten Bedeutung im Koran. Es wird als eine Eigenschaft derjenigen erwähnt, die aufrichtige Gläubige sind. Großzügigkeit, eine der wichtigsten Eigenschaften eines Gläubigen, bedeutet, das von Gott Gegebene auf Seinem Weg auszugeben und es nicht zurückzuhalten.

In dem eingangs gelesenen Vers heißt es sinngemäß, dass wahre Gläubige nur jene sind, die das Gebet ordnungsgemäß verrichten und von den Gütern, die Gott ihnen beschert hat, für gute Zwecke spenden und ausgeben. Genau diese sind die wahren Gläubigen.

In einer Überlieferung unseres Propheten (F.s.m.i) heißt es: „Die Almosen, die im Ramadan entrichtet werden, sind segensreicher.“[2] In diesem Sinne, hat der Prophet (F.s.m.i) die Menschen dazu angespornt.

Die Großzügigkeit im Ramadan wird nicht gänzlich der Initiative des Einzelnen überlassen. Durch die Fidye (Ersatzleistung, wenn man nicht fasten kann) und durch die Schöpfergabe, die zu den spezifischen Gottesdiensten des Ramadans gehören, wird gewissermaßen eine Untergrenze gezogen. Wer nicht mehr tun kann, sollte zumindest dahinter nicht zurückbleiben.

Die Überlieferung von Ibn ʿAbbās (Gott habe Wohlgefallen an ihm) lautet wie folgt:
 Der Gesandte Gottes hat die Schöpfergabe vorgeschrieben, damit sie den Fastenden von sinnlosem und hässlichem Verhalten reinigt und den Bedürftigen einen Bissen zu essen bietet.

Eine Seite des Monats Ramadan, die sich auf Brüderlichkeit und Mitgefühl bezieht, ist folgende: Durch das Fasten denkt der Mensch an die Lage derer, die nicht einmal etwas zu essen finden. Wenn er selbst hungrig ist, versteht er ihre Situation viel besser. Dieser Zustand lässt seine Gefühle der Großzügigkeit aufleben. Der Ramadan wird somit zu einem Zeitraum, in dem gewissermaßen eine „Schulung der Großzügigkeit“, die zu den hohen moralischen Werten zählt, stattfindet.

Aus diesem Grund bemühen sich die Gläubigen, verschiedene gute Taten und das bereitwillige Spenden insbesondere im Ramadan verstärkt auszuüben. Unser Prophet (F.s.m.i) begnügte sich im Ramadan nicht nur mit den Gottesdiensten, sondern bemühte sich, durch alles, was im Namen des Guten steht, eine noch engere Nähe zu Gott aufzubauen. Er legte mit seinem Leben im Ramadan eine Hingabe an den Tag, die einen sagen ließ, dass ein Diener Gottes genau so aussehen sollte.

Der Gesandte Gottes (F.s.m.i), der stets großzügig handelte, geriet mit dem Kommen des Ramadans förmlich in Begeisterung. Nach den Worten von Ibn ʿAbbās nahm die Großzügigkeit des Propheten besonders im Monat Ramadan, wenn er mit Gabriel (F.s.m.i) zusammentraf, noch weiter zu. In jenen Tagen war der Gesandte Gottes (F.s.m.i) großzügiger als der Wind, der den Menschen Barmherzigkeit bringt. Das heißt, er verteilte selbst das Letzte, was er noch in den Händen hielt.

Ohnehin war der Prophet (F.s.m.i) der großzügigste aller Menschen. Wenn etwas von ihm verlangt wurde, gab er es, sofern er es besaß; falls nicht, gab er ein Versprechen. Manchmal kam es sogar vor, dass jemand nach dem einzigen Gewand verlangte, das er trug, und er gab es ohne Zögern sofort her.

Eines Tages las der Gesandte Gottes (F.s.m.i) die Sure at-Tekāthur: „Das Streben nach Mehr hat euch abgelenkt“ und sagte:

Die Kinder Adams sagen: „Mein Besitz, mein Besitz!“ Doch was gehört dem Menschen schon anderes als das, was er verzehrt und damit aufbraucht, was er anzieht und damit abnutzt und was er zu Lebzeiten als Almosen gibt und vorausgeschickt hat? Den Rest verlässt er mit dem Tod und überlässt ihn den Menschen.[3]

Diese Wahrheit wird an einer Stelle so ausgedrückt: „Wenn ein Mensch stirbt, schauen die Engel, was er (an Gutem) mitgebracht hat, während die Hinterbliebenen schauen, was er zurückgelassen hat“.[4]

Wann wird die Schöpfungsgabe entrichtet? In unseren Quellen heißt dazu folgendes:

Die Schöpfergabe ist ein Ausdruck der Dankbarkeit dafür, als Mensch erschaffen worden zu sein, das Ramadan-Fasten gehalten und das Ramadan-Fest erreicht zu haben. Sie ist ein Almosen, das gegeben wird, um eine Wiedergutmachung zu leisten oder Mängel zu vervollständigen, die durch Verhaltensweisen entstanden sind, welche dem Wesen des Fastens im Ramadan geschadet haben. Die Schöpfergabe ist im Volk als solche bekannt und ein Zeichen der Treue.

Das Gebot der Schöpfergabe kam im zweiten Jahr der Hidschra zusammen mit der Verpflichtung zum Ramadan-Fasten. Unser Prophet (F.s.m.i) hat in seinen Überlieferungen mitgeteilt, dass die Schöpfergabe im Namen jedes Muslims gegeben werden muss, sei er frei oder Sklave, Mann oder Frau.[5]

Nach der hanafitischen Rechtsschule ist dies eine Sollaufgabe (Wādjib). In der hanafitischen Rechtsschule gibt es in der Praxis keinen Unterschied zwischen Wādjib (Sollaufgabe) und Farḍ (Kernaufgabe). Die Orte, an denen die Schöpfergabe gegeben werden kann, sind dieselben wie bei der läuternden Pflichtabgabe (Zekāt). Demnach kann die Schöpfergabe jedem gegeben werden, der auch die läuternde Pflichtabgabe erhalten darf.

Die Schöpfergabe kann auch schon vor dem Ramadan-Fest gegeben werden. Imam Schāfiʿī vertritt die Ansicht, dass sie einen Monat vorher entrichtet werden kann; Imam Ebū Ḥanīfa ist der Meinung, dass sie sogar ein Jahr vorher gezahlt werden darf.

Das Ziel der Schöpfergabe ist es, den täglichen Nahrungsbedarf eines Bedürftigen entsprechend dem Lebensstandard der Gesellschaft, in der er lebt, zu decken und so dazu beizutragen, dass auch er die Freude des Festes erleben kann.

Verehrte Gläubige! 

Es ist nützlich, hier eine Angelegenheit zu erklären, die von einigen falsch verstanden wird. Wir sind verpflichtet, das, was wir an Gutem und Wohltätigkeit tun müssen, so schnell wie möglich an sein Ziel zu bringen. Der Gedanke: „Ich behalte es in meiner Hand und gebe es in der Nacht der Bestimmung (Leylet el-Qadr), um mehr Lohn zu erhalten“, ist in gewisser Hinsicht nicht richtig. Wir können uns zwar das Ziel setzen, unsere Gaben bis zur Nacht der Bestimmung zusammenzutragen oder in dieser Nacht etwas Zusätzliches zu geben; das ist möglich. Aber bereits angesammelte Spenden sollte man nicht unnötig hinauszögern.

Wir befinden uns in den Tagen der Vergebung des Monats Ramadan, dessen Beginn Barmherzigkeit, dessen Mitte Vergebung und dessen Ende die Errettung vor dem Feuer der Hölle ist. Diese Tage sind für uns Diener Tage der Umkehr, an denen wir unseren Herrn um Vergebung bitten.

Unsere Bitte an unseren Schöpfer ist, dass Er um der in der Zeit des Fastenbeginns gesprochenen Bittgebete um Vergebung, des Fastens und der rezitierten Korane willen all unsere guten Taten bei sich annehmen und uns mit seiner Vergebung begnadigen möge.


[1] Sure el ʾEnfāl 8:3-4
[2] Tirmidhī, Zekāt
[3] Muslim, Kitāb ez Zuhd we er Reqāʾiq 2958
[4] Bukhārī, Riqāq 42
[5] Muslim, Zekāt, 12

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